Tag 144/81 – O Du fröhliche

Es ist Heiligabend – mein erstes Weihnachten mit elektrischen Ohren. Geschenke brauche ich dieses Jahr keine: Dass ich mit meinen Hörimplantaten wieder hören kann ist wohl das größte Geschenk, das ich jemals in meinem Leben bekommen habe (neben meinen Kindern und der ErstBestenHälfte, natürlich).

Natürlich läuft heute den ganzen Tag Weihnachtsmusik bei uns zu Hause. Klassische Weihnachtslieder, aber auch Weihnachts-Popsongs. Das war früher vermutlich auch der Fall, aber ich habe es nicht wirklich mitbekommen oder zumindest nicht erkannt. Und definitiv nicht genießen können.

Der Vor- und frühe Nachmittag sind voll mit Vorbereitungen für unser Weihnachtsessen. Dann geht es, wie jedes Jahr, zum Weihnachtsgottesdienst mit Krippenspiel in die Kirche. Ich war in meiner Kindheit und Jugend sehr aktiv in der evangelischen Gemeinde meines Heimatortes eingebunden. Solange meine Ohren es noch ermöglichten, spielte ich Posaune im Posaunenchor. Heiligabend waren wir dann schon ab dem Vormittag mit dem Chor zum Kurrende-Blasen im Ort unterwegs und spielten draußen Weihnachtslieder an den verschiedensten Ecken im Dorf. Am Nachmittag begleiteten wir dann die Weihnachtsmessen musikalisch in der Kirche und ich war meistens erst Abends zur Bescherung und zum Essen wieder zu Hause. Auch wenn ich nicht besonders gläubig bin, gehört ein Kirchenbesuch einfach für mich zu Weihnachten. Erst dort bekomme ich richtige Weihnachtsstimmung und kann mich wunderbar entspannen.

Ich bin sehr gespannt, wie ich den Gottesdienst mit meinen Cochlea Implantaten wahrnehmen werde. Leider ist die Akustik in der Kirche recht schlecht und es gibt keine Induktionsschleife, so dass ich die Rede des Pfarrers ebenso schlecht verstehe wie das Krippenspiel selber. Aber es ist zumindest deutlich besser als vorher und ich verstehe zumindest einige Wörter und Halbsätze.

Traditionell werden in der evangelischen Kirchengemeinde unseres Dorfes klassische Weihnachtslieder gespielt – und zwar nicht von einer Kirchenorgel, sondern von einer Kirchenjugendband. Sehr schön ist dieses Jahr, dass ich die Lieder gut mitsingen kann – was Junior I, der mich dieses Jahr begleitet, etwas peinlich finde. Aber da muss er durch. Als Elternteil eines vollpubertierenden Jugendlichen muss man schließlich auch einige Peinlichkeiten ertragen. Voll krass, ey. Dazu schreibe ich an anderer Stelle mal mehr.

Weniger schön ist, dass ich höre, wie schräg das Duett der Band singt. Früher konnte ich noch nicht einmal hören, welcher Song gesungen wird – jetzt merke ich deutlich, wenn die beiden Sängerinnen im Duett nicht hundertprozentig synchron sind, sondern einen halben Ton auseinanderliegen. Das ist ein bißchen grausam. Aber schmälert meine gute Laune und Weihnachtsstimmung nicht wirklich.

Das anschließende Weihnachtsessen zuhause und die Bescherung sind wundervoll und anschließend sitzen wir noch ein Weilchen mit Nachbarn zusammen, trinken Rotwein und unterhalten uns. Auch das ist immer wieder ein Genuss, weil ich mich wirklich aktiv an den Unterhaltungen beteiligen kann.

Frohe Weihnachten!

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