Tag 54 – Sweet Child o’mine

Heute habe ich zum zweiten Mal seit der Implantation Schlagzeugunterricht. Ich habe vor zwei Jahren damit angefangen, weil Junior II gern Schlagzeug spielen wollte und bin dann auch auf den Geschmack gekommen – und es macht einen Heidenspaß. Leider war es mir bislang kaum möglich, zu Musik zu spielen, weil das Schlagzeug so laut ist, dass die Hörgeräte die Musik nicht laut genug wiedergeben können, wenn das Schlagzeug tönt. Auch dann, wenn ich die Musik via Kopfhörer-Equipment direkt in die Hörgeräte gespeist habe, war das Schlagzeug immer noch zu laut und ich konnte dem Takt der Musik nicht folgen.

Ich habe zwei Jahre mit diesem Problem gekämpft und alles mögliche versucht: Verschiedene Abspielquellen wie Smartphone, Tablet, Macbook oder Verstärker. Ausgabe via Kopfhörer-Equipment, meine High-End-Lautsprecher von Infinity oder voll aufgedrehte Aktivbox. In jedem Fall war das Schlagzeug einfach so viel lauter als die Musikquelle, dass kein Zusammenspiel möglich war. Ich habe dann versucht, mit Metronomen zu arbeiten, die den Takt der Musik visuell oder über Vibration angeben. Das hat aber auch nicht geklappt, weil es de facto unmöglich ist, ein Metronom so genau auf die Taktgeschwindigkeit eines Songs abzustimmen, dass es bis zum Ende des Songs korrekt ausschlägt.

Dann versuchte ich, mit Lichtsignalen zu arbeiten und eine Lichtanlage zu installieren. Lichtanlagen haben allerdings eingebaute Mikrofone, die sich nicht ohne aufwändiges Equipment direkt mit der Soundquelle verbinden lassen, sondern auf sämtliche Geräusche reagieren: Und damit auch auf mein Schlagzeugspiel. Bei einer Taktverschiebung hätte ich also Lichtsignale sowohl für den abgespielten Song als auch für das (falsch) geschlagene Schlagzeug erhalten.

Eine weitere Idee war, Apps zu verwenden, die den Takt der Musik visuell wiedergeben – wie zum Beispiel die App Djay2 für iPad. Auch das war aber eine unbefriedigende Lösung, weil die optische Taktfrequenz hier nicht hundertprozentig genau wiedergegeben wird und ich zwar halbwegs dem Takt folgen konnte, aber die Musik dennoch nicht gehört habe.

Mit dem Implantat und Soundprozessor ging es deutlich besser, weil ich das Smartphone via Bluetooth mit einer Teleschlinge verbinden kann, die den Sound dann per Induktion in den Soundprozessor überträgt. Leider ist die Klangqualität dabei relativ schlecht und ich höre entweder das Schlagzeug bei dieser Lösung gar nicht mehr, weil die Umgebungsgeräusche auf stumm gestellt sind, oder die Musik nicht ausreichend, wenn ich die Umgebungsgeräusche einschalte: In diesem Fall ist das Schlagzeug wieder zu laut. Außerdem kann bei diesem Setup mein Schlagzeuglehrer die Musik nicht mithören.

Neben der Teleschlinge habe ich noch einen Aufsatz für den Soundprozessor, an den ein Audiokabel angeschlossen ist, das ich direkt mit dem Smartphone verbinden kann. Ich habe zwei Kabel zur Verfügung, von denen eines sowohl Umgebungsgeräusche als auch die Soundquelle mit gleicher Verteilung wiedergibt. In diesem Fall ist das Schlagzeug aber wieder zu laut und die Musik zu leise. Das zweite Kabel dämpft die Umgebungsgeräusche stark ab, aber auch dann ist das Schlagzeug noch zu laut, um die Musik ausreichend wahrzunehmen.

Die Lösung für dieses Problem, das mich seit zwei Jahren genervt hat, haben mein Schlagzeuglehrer und ich heute gefunden: Ein Kopfhörerverstärker, der zwischen Soundquelle (also Smartphone oder Laptop) und dem Audiokabel für meinen Soundprozessor geschaltet wird. Damit lässt sich die Musik so laut in den Soundprozessor speisen, dass sie das Schlagzeug übertönt – und ich höre dennoch beides! Zum ersten Mal konnten wir heute im Unterricht zusammen zu Musik spielen – und es war ein absoluter Gänsehautmoment, Sweet Child O’ Mine von Guns N’ Roses klar zu hören, dabei das eigene Schlagzeugspiel wahrzunehmen und gleichzeitig die Reaktionen meines Schlagzeuglehrers zu beobachten, der sich auch wahnsinnig gefreut hat, dass dies endlich möglich ist. Wir freuen uns riesig auf die kommenden Sessions! Ich habe mir direkt am Abend einen Kopfhörerverstärker bestellt und werde künftig auch mit Junior I zusammenspielen können – er mit Klavier oder E-Gitarre und ich mit Schlagzeug. Endlich!!!

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