Tag 41 – Meeting

Heute steht mein erstes Meeting mit Hörimplantat im Kalender. Als User Experience Designer sitze ich sehr häufig in Meetings. Konzepte, Designs und Texte müssen mit Projektmanagern, Programmieren und Visual Designern abgestimmt werden. In Team-Meetings wird die Wochen-, Monats- oder Quartalsplanung besprochen und es werden neue Features oder Entwicklungen vorgestellt, die für meinen Job relevant sind. Mein Team sitzt derzeit überwiegend in Walldorf, dem Hauptsitz meines Arbeitgebers in der Nähe von Heidelberg. Manche Mitarbeiter sind aber an anderen Standorten, beim Kunden oder im Homeoffice tätig und deshalb werden viele Meetings via Audio- oder Videokonferenz abgehalten.

Für hörgeschädigte Menschen sind Meetings ein Worst Case. Es sind meist viele Personen anwesend, die Räume sind oft sehr groß und man kann das Mundbild aller Beteiligten nicht gut lesen. Meistens werden Präsentationen oder Arbeitslisten via Beamer auf die Leinwand gespielt, so dass ich zumindest halbwegs mitbekomme, worum es geht. Diskussionsdetails entgehen mir aber fast immer. Bei Online-Meetings bin ich dann komplett hilflos. Mundablesen geht hier meistens nicht und selbst in Videocalls sind Bild und Ton oft nicht synchron, was für mich ein totaler Showstopper ist.

Ich werde oft gefragt, wie ich denn mit dieser Höreinschränkung überhaupt so lange erfolgreich in meinem Job tätig sein kann. Ich kann diese Frage nicht wirklich gut beantworten. Man bekommt recht viel mit, wenn Präsentationen auf dem Beamer gezeigt werden oder wenn dort Dokumente für alle sichtbar bearbeitet werden – wie zum Beispiel Statustabellen, in denen beim Meeting eingetragen wird, welche Aufgabe wo steht und was besonders wichtig ist. Auch Protokolle, die häufig nach Meetings verschickt werden und das Beschlossene und Nicht-Beschlossene zusammenfassen, helfen sehr. Und ganz ehrlich: Vieles, was in Meetings gesagt wird, ist überflüssig. Es wird sehr viel wiederholt. Es wird häufig im Kreis diskutiert, ohne dass etwas Sinnvolles dabei herauskommt. 30% von Online-Meetings gehen meistens für das Einstellen von Video oder Audioübertragung oder das Lösen von Verbindungsproblemen drauf.

Hallo, kann man mich hören? Ich höre euch nicht. Sehe aber einen Blumentopf. –  Ja das ist mein Blumentopf, ich stelle die Kamera mal um. – Was hast du gesagt? – Ich habe ein Echo. –  Hallo hat das Meeting schon angefangen? – Sorry ich muss eben noch aufs Klo. – Test 123 Test 123 – Will jemand Kaffee? – Kann man das Rauschen abstellen? – Ich wähle mich nochmal neu ein. – Mein Mikrofon ist auch kaputt – Können wir ein anderes Meetingsystem verwenden? – Weiß jemand, wo die Agenda liegt? – Ich habe jetzt einen Mac, wie kann ich das Bild größer machen? – Ich muss jetzt leider schon wieder raus. 

So läuft es nicht immer, aber viele werden diese Abläufe kennen. Heute lief es besser. Am Meeting nahmen 5 Personen teil, die per Webcam zugeschaltet werden. Und ich habe nahezu ALLES verstanden. Selbst dann, wenn das Mundbild kurz nicht zu sehen war, weil die Übertragung hing oder ein Bildschirminhalt eingeblendet wurde, konnte ich folgen. Das wird mein Berufsleben deutlich einfacher und komfortabler machen – bislang konnte ich nur per Chat kommunizieren. Und ich freue mich tatsächlich auf das nächste Meeting.

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