Tag 66/3 – Telefonitis

Heute morgen bekomme ich etwa einminütige Sprachnachricht meiner Mutter auf WhatsApp, die ich auf Anhieb verstehe. Klasse! Kurz danach telefonieren wir. Ich verstehe fast alles und muss während des Gesprächs nur ein- oder zweimal nachfragen. Direkt anschließend rufe ich meine jüngere Schwester an. Und auch dieses Telefonat läuft prima. Ich verstehe fast alles, was nicht ganz leicht ist, weil sie gerade Auto fährt und die Fahrgäste sich unterhalten – auch das bekomme ich mit. Wir telefonieren eine halbe Stunde später noch einmal in Ruhe und abgesehen davon, dass wir beide doch sehr ergriffen sind und unsere Stimmen etwas stocken, verstehe ich alles super.

Wer hätte gedacht, dass Telefonieren überhaupt noch einmal so gut funktionieren wird. Anschließend rufe ich direkt einen sehr guten Freund an und auch dabei klappt alles super. Vermutlich kann ich mich jetzt nicht mehr drücken und es ist quasi offiziell: Ich kann nach etwa 30 Jahren wieder telefonieren. Ich werde sicherlich nicht immer alles und nicht immer alle Personen verstehen. Meine Gegenüber müssen langsam und deutlich reden und ich muss das Gespräch führen – minutenlangen Monologen werde ich noch nicht folgen können. Und es geht erstmal nur auf Deutsch. Aber es klappt tausendmal besser, als ich es mir je erhofft habe und es wird in den kommenden Monaten noch besser werden. Dass der Kopf immer noch etwas schmerzt und geschwollen ist, der Kopfverband nervt und ich den Soundprozessor links nur tragen kann, wenn ich ihn in den Verband reinstecke und dann eine Beanie-Mütze drüber ziehe, ist ein kleiner Preis dafür.

Am liebsten würde ich gerade meine komplette Kontaktliste abtelefonieren, aber ich weiß gar nicht, wen ich zuerst anrufen und was ich am Telefon sagen soll. Das ist für mich alles total ungewohnt – und für die Menschen, die mich kennen auch. Aber das werde ich lernen. Auf Texten und Chatten möchte ich trotzdem nicht verzichten – das wird immer mein wichtigstes Kommunikationsmedium bleiben. Ich habe die meisten meiner guten Freunde über das Chatten kennengelernt. Chatten war bei mir allerdings nur selten Selbstzweck, sondern ein Kommunikationseinstieg und ich habe die meisten Menschen, mit denen ich viel und gern gechattet habe, irgendwann persönlich getroffen. Und in den meisten Fällen sind Freundschaften daraus gewachsen – in einigen Fällen sogar sehr gute Freundschaften und in einem Fall eine ErstBesteHälfte.

Der Rest des Tages ist Regeneration, Fußball schauen mit den Kids und ein bißchen Musik hören. Ich bin immer noch recht schnell k.o. und nehme immer noch Schmerztabletten – vor allem vor dem Schlafen gehen, weil der Kopf nach einer Stunde Liegen schmerzt. Das war beim ersten Mal auch so – ein paar Tage wird es noch dauern, bis ich wieder richtig erholsamen Schlaf finde. Aber auch das werde ich überleben.

 

 

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