Tag 95/32 – Bohemian Rapsody

Ich habe es immer sehr bereut, dass ich Queen nie live gesehen habe. Natürlich habe ich in den 80ern schon Queen gehört – I want to break free und Radio Ga Ga gehören zu den unvergessenen Songs meiner Jugendzeit, in der ich jeden Mittwoch Mel Sondocks Hitparade hörte und Mixtapes erstellte, die dann auf meinem Walkman liefen. Ich benutzte dafür einen Aufsatz, der auf die Hörgeräte gesteckt wurde und konnte die Musik noch halbwegs gut hören. Das Band Aid Konzert von Bob Geldof im Jahre 1985 verfolgte ich natürlich vor dem Fernseher und der Auftritt von Queen gehörte sicherlich zu meinen persönlichen Highlights. Der Tod von Freddy Mercury 1991 war ein Schock und erst später fing ich an, auch die anderen und früheren Songs dieser genialen Band zu hören.

In meinem Blog habe ich schon mehrfach geschrieben, wie gerne ich ins Kino gehe und wie sehr ich mir wünsche, die Filme besser verstehen zu können, ohne vorher die Handlung auf Wikipedia zu lesen oder jahrelang darauf zu warten, dass der betreffende Film im Originalton mit Untertiteln gezeigt wird. Letzteres habe ich gerne gemacht, allerdings konnte ich dabei meine Jungs nicht mitnehmen, die noch zu jung sind, um Filme auf Englisch zu schauen und zu verstehen.

Heute habe ich mich das erste mal seit meiner Implatation ins Kino getraut – zusammen mit der ErstBesteHälfte und Junior I und II: Wir haben Bohemian Rhapsody angeschaut. Da ich die Geschichte von Queen etwas kenne, hatte ich keine Angst, der Handlung nicht folgen zu können. Da im Film außerdem viel Musik vorkommt und mir das Musikhören wieder viel Spaß macht war ich sicher, dass ich auch ohne gutes Sprachverständnis Spaß haben werde.

Was dann im Kino passierte habe ich nicht erwartet – und es hat mich schlichtweg umgehauen: Ich habe fast alle Dialoge verstanden. Nicht alles, nicht jedes Wort – insbesondere an Stellen, an denen Gespräche im Störgeräusch stattfinden oder bei Telefonaten im Film, wenn die sprechende Person nicht zu sehen war und man nur die Telefonstimme hörte, hatte ich Verständnisprobleme. Aber allen normalen Dialogen und der Handlung konnte ich hervorragend folgen – ich habe schätzungsweise 80 oder 90% klar und deutlich verstanden. Wow. Davon habe ich mein Leben lang geträumt und ich hätte nie gedacht, dass dies überhaupt wieder einmal möglich sein wird – und schon gar nicht drei Monate nach der ersten und einen Monat nach der zweiten Implantation. Den Jungs war es ein bißchen peinlich, dass ich zwischendurch von meinen Gefühlen überrannt wurde und mir das Heulen nicht verkneifen konnte. Und beim Verlassen des Kinosaals haben sich sicherlich einige Besucher gewundert, warum da ein Typ mit verheulten Augen aus dem Queen-Film kommt. Aber das war mir relativ egal – die Emotionen mussten einfach raus, sonst wäre ich geplatzt.

Es ist schwer zu beschreiben, was in solchen Momenten in einem vorgeht. Auch die Musik hörte sich natürlich auch fantastisch an und alles in allem war dies sicherlich der beste Kinobesuch meines Lebens. Das werde ich nie vergessen.

Ich werde bestimmt auch mal in Kinos sitzen, in denen ich wenig verstehe. Die Soundqualität im Kinosaal spielt wahrscheinlich eine große Rolle. Und es wird Filme geben, die mich hörakustisch überfordern werden – wenn es viel im Hintergrund kracht oder einfach zu viel geredet wird. Aber darauf bin ich vorbereitet. Und selbst wenn es beim nächsten Mal nur halb so gut wird wie heute, werde ich es unendlich genießen und mich über jedes Wort und jeden Dialog freuen, den ich verstehe. It’s a kind of magic.

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