Tag 96/33 – Erstanpassung, die Zweite

Heute startet die Erstanpassungswoche für mein neues Hörimplantat auf der linken Seite im Deutschen Hörzentrum Hannover. Ich bin nicht mehr ganz so aufgeregt wie vor der Erstanpassung für das rechte Implantat. Mein Hören ist jetzt schon hervorragend und ich kann mir kaum vorstellen, dass es noch besser wird. Auf der neuen, linken Seite nutze ich schon seit ein paar Tagen durchgehend das lauteste Programm und die unterschiedlichen Höreindrücke rechts und links haben sich in den letzten Tagen gut aneinander angeglichen.

Die Fahrt nach Hannover ist sehr anstrengend, weil die Autobahn wegen eines Staus verstopft ist und ich mich zwei Stunden lang über volle Landstraßen quälen muss. Immerhin bleibt dabei viel Zeit für Hörtraining durch Radio- und Musikhören im Auto und ich schaffe es mit nur kurzer Verspätung zum Hörzentrum.

Ich freue mich sehr, dass mich meine Audiologen vom letzten Mal wiederbetreut. Auch wenn sicherlich alle Audiologen und Audiologinnen im Deutschen Hörzentrum tolle Arbeit leisten: Wir sind ein gut eingespieltes Team und ich denke, dass dies durchaus ein Vorteil sein kann. Schon bei der ersten Sitzung wird der Soundprozessor der neuen, linken Seite nachjustiert. Die Lautstärke wird noch etwas angehoben und dann geht es wieder darum, die unterschiedlich hohen und tiefen Töne auf dieselbe Lautstärke zu bringen, damit ein möglichst homogenes Klangbild erzeugt werden kann. Dazu höre ich immer 3 oder vier unterschiedlich hohe bzw. tiefe Töne und muss angeben, welcher Ton lauter oder leiser ist als die anderen. Insbesondere bei hohen Tönen ist das gar nicht so einfach.

Die neue Einstellung funktioniert auf Anhieb sehr gut und ich verstehe auf Anhieb noch einen Tick besser. Auch die Höreindrücke zwischen rechts und links sind jetzt fast gleich und ich bemerke kaum noch einen Unterschied, wenn ich abwechselnd den rechten und den linken Soundprozessor ausschalte. Das dritte Hörprogramm, bei dem die Zoomfunktion der Mikrofone aufgehoben wird und die Soundprozessoren stattdessen “rundum” empfangen, lasse ich löschen – das habe ich nie wirklich benutzt. Stattdessen wird hier ein anderes Programm eingespielt, das insbesondere im Störschall besser funktionieren soll. Die Programmbelegungen für beide Soundprozessoren sind jetzt auch identisch, so dass ich beide Geräte mit einem Tastendruck auf Musik, Störschall oder eine alternative Signalverarbeitung einstellen kann.

Natürlich steht in dieser Woche das neu implantierte linke Ohr im Vordergrund. Am Ende der Woche werden wir allerdings auch das rechte Ohr noch einmal nachjustieren. Der für Anfang Dezember geplante Nachsorgetermin für das rechte Ohr wird gestrichen; stattdessen werden wir im Februar beide Seiten überprüfen und gegebenenfalls nachjustieren.

Nach der Einstellungssitzung geht es zum Arzt. Dieser Termin ist schnell bewältigt; beide Ohren werden angeschaut und die Wundheilung beider Narben läuft hervorragend. Da auch die Hörergebnisse sehr gut sind, gibt es hier kaum noch etwas zu besprechen. Anschließend schaue ich beim Hörakustiker im Hörzentrum vorbei, weil ich Probleme mit dem Sitz des Soundprozessors hinter dem linken Ohr habe. Vermutlich aufgrund der Operation sitzt der Hörprozessor nicht gerade am Ohr, sondern steht am unteren Ende stark nach außen ab und fällt häufig herunter, wenn ich mich vornüber beuge. Wir vereinbaren ein Termin für den nächsten Tag, bei dem ein Abdruck von meinem Ohr bzw. dem Bereich hinter dem Ohr gemacht werden soll, aus dem dann eine Silikonhalterung angefertigt wird, die zwischen dem Ohr und dem Soundprozessor liegend dafür sorgen soll, dass der Prozessor gerade sitzt. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie das funktionieren soll, aber werde mich mal überraschen lassen.

Danach schaue ich im Med-El Servicecenter vorbei, und dort wird das Problem auf einfachere Art und Weise gelöst: Es gibt einen Silikonhaken, den man auf den Soundprozessor aufziehen kann und der dafür sorgt, dass das Gerät gerade sitzt. Ich hatte dieses Teil zwar vorher schon im Zubehörkoffer, wusste aber nicht, dass mein Problem damit gelöst werden kann. Mit dem Haken sitzt der Soundprozessor einwandfrei gerade und ich werde keinen Abdruck vom Ohr mehr brauchen. Prima!

Dann geht es ins Hotel, wo ich mich ein bisschen ausruhe und Musik höre. Später am Abend fahre ich in eine urige Gaststätte, weil ich den ganzen Tag über kaum etwas gegessen und Heißhunger auf ein traditionelles Schnitzel habe. Ich versuche dort, den Gesprächen an den Nebentischen etwas zu folgen, bin aber irgendwie zu kaputt, um mich wirklich zu konzentrieren. Ab und zu muss man auch einfach mal abschalten können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.