Tag 99/36 – Entlassung

Heute ist schon der letzte Tag meiner Reha-Woche: Weil meine Hörerfolge so gut sind haben wir beschlossen, die Termine am Freitag zu canceln und schon heute die letzte Anpassung der Soundprozessoren und den abschließenden Hörtest zu machen. Bei der Anpassung wird noch einmal der rechte Soundprozessor nachjustiert. Die Lautstärken der verschiedenen Tonhöhen werden nochmals angeglichen und die Gesamtlautstärke rechts und links so angepasst, dass ich kaum noch einen Unterschied zwischen rechts und links wahrnehmen kann.

Dann folgt der abschließende Hörtest mit dem linken Ohr und anschließend mit beiden Soundprozessoren. Zahlen testen wir gar nicht mehr, weil ich hier problemlos 100% verstehe. Die anderen Tests laufen gut:

  • Bei Einsilbern verstehe ich rechts etwas schlechter als beim Abschlusstest der Anpassungswoche für das erste Implantat: 55% statt 65%. Das liegt eventuell daran, dass ich in der ersten Anpassungswoche sehr stark Konsonanten geübt habe und besser auf die Unterscheidungen von Wörtern wie Laus, Haus oder Maus konditioniert war. Links erziele ich hier 45% und beidseitig 65% – das entspricht in etwa dem Wert, den ich vor 2 Monaten auf dem rechten Ohr hatte.
  • Bei Sätzen bin ich rechts auch etwas schwächer geworden, links erreiche ich allerdings 89% und mit beiden Ohren sogar 96,22%. Das ist ein wahnsinnig guter Wert: Mit beiden elektrischen Ohren höre ich damit fast so gut wie eine normalhörende Person, wenn es keine Nebengeräusche gibt. Natürlich muss ich mich sehr konzentrieren, um diese Werte zu erreichen; im Alltag halte ich das keine 18 Stunden durch. Noch nicht…
  • Im Störschall verstehe ich mit beiden Ohren 44,33%. Auch das ist galaktisch – dass die Ohren separat nur auf 14-16% kommen lässt sich verschmerzen. Der Störschalltest ist enorm unangenehm: Das Störgeräusch ist laut und penetrant und die Abfolge der Sätze ist so schnell, dass man kaum mit dem Nachsprechen hinterherkommt. Das ist gewollt, damit die Probanden nicht beginnen, die nicht verstandenen Satzlücken zu kombinieren, sondern nur genau das wiedergeben, was sie gehört haben. Der Stress-Level ist dennoch sehr hoch und ich denke, dass ich mit mehr Pausen noch besser abschneiden würde. Gefühlt höre ich mehr als die 14-16% auf jedem Ohr. Bei einem Gesamtverständnis von über 44% kann man aber mehr als zufrieden sein.

Das ist auch die Meinung meiner Logopädin, die ebenso schwer beeindruckt ist wie die Ärztin beim abschließenden Untersuchungstermin. Ich bedanke mich noch einmal bei ihr für die hervorragende Arbeit, die Ärzte, Audiologen und Logopäden geleistet haben – und dann geht es nach Hause.

Auf der Fahrt nach Hause rufe ich  zwei Freunde und Arbeitskollegen an, mit denen ich bislang noch nicht telefoniert habe. Beide sind schwer beeindruckt und freuen sich unheimlich über dieses Hörwunder – anders kann man es kaum nennen. Und ich verstehe fast alles gut, trotz des Fahrgeräusches meines Autos. Am Abend ruft meine Schwester mich an und wir telefonieren geschlagene 60 Minuten problemlos. Und auch das Schwätzchen mit der Nachbarin bei Kerzenlicht ist angenehm zu verstehen – selbst nach dem dritten Glas Rotwein. Prosit!

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