Tag 25 – Indianer

Heute habe ich es nach dem feierintensiven Wochenende etwas ruhiger angehen lassen. Am Vormittag saß ich am Schreibtisch; kurz nach Mittag kam unser Hauszimmermann vorbei, um das Garagentor zu richten. Auch er freute sich sehr darüber, dass er mir alles nicht mehr dreimal sagen muss – das Verstehen klappte ausgezeichnet und ich musste trotz Handwerker-Fachbegriffen nur ein- oder zweimal nachfragen.

Etwas später klingelt eine Nachbarin. Ich höre tatsächlich  zum ersten Mal unsere Hausklingel, während ich im Büro sitze. Das ist klasse – jetzt werden Pakete auch wieder häufiger direkt bei uns landen und ich erschrecke nicht mehr, weil auf einmal ein Nachbar hinter mir im Büro steht. Unsere Türen sind in den Sommermonaten tagsüber immer offen und wenn niemand aufs Klingeln reagiert, dürfen Nachbarn und Freunde auch einfach herein kommen und sich bemerkbar machen. Trotzdem erschrecke ich oft, wenn jemand ich in Gedanken am Schreibtisch oder am Werktisch in der Garage stehe und plötzlich hinter mir steht – auch wenn es die eigenen Familienmitglieder sind. Als hörgeschädigter Mensch bewegen sich alle Personen um einen herum lautlos wie Indianer im Morgengrauen. Ich höre auch Abends nicht, wenn ein Kind die Treppe herunterkommt. Gottseidank sind die Ohren meiner ErstBestenHälfte gut und sie kann bei herannahenden schlaflosen Kindern im Notfall auf “wir gucken Tatort” umschalten. Wenn ich alleine bin geht das aber nicht – ich muss immer damit rechnen, dass auf einmal jemand vor mir steht. Auch dies wird mit Hörimplantat jetzt hoffentlich etwas entspannter.

Auch schön: Ich habe heute den Toaster hochschnellen gehört. Mein Toastbrotverbrauch ist unverhältnismässig hoch, weil ich oft Brote in den Toaster lege und mich dann wieder an den Rechner setze – und den Toaster vergesse. Heute habe ich tatsächlich gehört, dass der Toast fertig war. Ich kann demnächst auch Eieruhren am E-Herd verwenden – auch das macht das Leben ein bißchen einfacher.

Am Nachmittag habe ich noch die für die Party ausgeliehenen Gläser zum Partyservice zurückgebracht. Die Gläser waren in Getränkekisten verstaut und das Klirren im Auto war die Hölle – es hörte sich bei jeder Bodenwelle so an, als würde hinten alles zerschellen. Klirr-, Klacker- und Zischgeräusche sind nach wie vor sehr laut und ich werde Gläsertransporte künftig nach Möglichkeit vermeiden.

Zum Elternabend von Junior II bin ich dann nicht mehr gegangen – ich war noch zu k.o. vom Wochenende. Das mache ich lieber, wenn meine Ohren ausgeruht sind und das elektrische Ohr feineingestellt ist.

 

 

 

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