Monat: Juni 2019

Tag 324/262 – Hurricane, Samstag

Und auf geht es zum zweiten Hurricane-Tag. Auch heute ist das Wetter herrlich und Junior II und ich freue uns sehr auf einen erlebnisreichen Festivaltag. Das Programm ist heute eher auf meinen Nachwuchs ausgerichtet – er möchte sich gerne einige Deutsch-Rapper und -Rap-Bands ansehen. Ist eigentlich gar nicht mein Geschmack, aber schließlich geht es auch um ihn und solange ich mir diese Musik nicht ständig im Autoradio anhören muss, geht das auch in Ordnung.

Der Tag beginnt mit Fünf Sterne Deluxe (auf einen Link verzichte ich aus Rücksicht auf meine Leser). Wir nehmen noch einen Schulfreund meines Juniors mit und wagen uns diesmal direkt vor die Bühne, weil das Gedränge am Nachmittag noch nicht so groß ist. Die Bässe wummern aus vollem Rohr, aber selbst hier spielen meine Soundprozessoren gut mit und ich kann, abgesehen davon, dass ich die Musik stinklangweilig und die Typen ziemlich unsympathisch finde, den Sound genießen.

Dann geht es zu einer meiner Lieblingsbands – Flogging Molly: Irischer Gute-Laune-Rock vom Allerfeinsten (obwohl die Band aus L.A. stammt). Ich habe die Jungs schon mehrmals live gesehen und denke, dass es wohl kaum eine bessere Live-Band gibt, Schon beim ersten Song ist das Publikum völlig aus dem Häuschen und diese unglaubliche Stimmung lässt auch während der gesamten Stunde, in der diese unglaublichen Kalifornier alles geben, kein bißchen nach. Und auch hier ist der Sound fantastisch. Zwar habe ich erneut mit einigen Aussetzern wegen der Feuchtigkeit zu kämpfen – obwohl beide Soundprozessoren die ganze Nacht über ein ihren Trockenboxen lagen, aber das bekomme ich dann auch in den Griff und genieße jede Sekunde dieses Stimmung machenden Auftrittes.

Danach sind Junior II und ich erst einmal platt, aber auf einer anderen Bühne tritt eine weitere Hip-Hop-Band auf, die ich allerdings vor zwei Jahren schon einmal auf dem Hurricane gesehen habe und die mir sehr gut gefallen hat: Die 257er’s aus meiner alten Heimatstadt Essen. Eine tolle Show, Party-Texte mit viel Humor und ein rundum sympathischer Auftritt, mit viel Publikumsinteraktion: So muss live sein. Junior II und ich hüpfen, brüllen und feiern mit und haben enorm viel Spaß. Und auch hier: Top Sound, keine Verzerrungen, einfach nur genial.

Nach diesem Auftritt trennen sich unsere Wege: Junior II möchte unbedingt zu AnnenmayKantereit und ich habe andere Pläne. Wir treffen Junior I, der ebenfalls auf dem Festival ist, er nimmt seinen jüngeren Bruder ins Schlepptau und ich ruhe mich erst einmal etwas aus, laufe herum, genieße die Atmosphäre und schaue, was auf den anderen Bühnen so läuft. Und treffe eine weitere, neue Lieblingsband, die ich bis dahin noch gar nicht kannte: The Wombats, eine Indie-Rockband aus England. Ich bemerke mal wieder, wie viel Musik ich in den letzten Jahren verpasst habe, wie wenig neuere Band ich kenne und vor allem: Wie viel gute Musik es in den letzten Jahren gegeben hat, auch wenn das meiste, was ich wirklich mag, es nicht in die Charts geschafft hat. Auch dieses Konzert ist viel zu schnell vorbei – ich hätte hier noch stundenlang stehen und zuhören können und hoffe sehr, dass ich diese Band noch einmal woanders und länger anhören kann.

Anschließend treffe ich meine Juniors wieder, übernehme Junior II und dann geht es, nach einer kurze Pommes-Stärkung, zu Macklemore, einem der Haupterlebnisse für meine Kinder. Und auch wenn ich nicht auf Hip-Hop stehe: Die Show ist klasse, der Sound fantastisch, der Künstler selbst enorm sympathisch und eine echte Rampensau und ich bereue kein bißchen, dass ich mir dies angeschaut habe.

Danach sind wir ziemlich k.o., schauen noch kurz bei Steve Aoki vorbei – einem DJ, der Techno-Musik macht. Das wird mir aber schnell zu langweilig; also laufen wir zurück zum Auto und sind gegen halb zwei müde aber glücklich im Bett.

Tag 323/261 – Hurricane, Freitag

An diesem Wochenende findet in meinem Heimatort das alljährliche Hurricane-Festival statt – mit knapp 70.000 Besuchern eins der größten Open-Air-Musikfestivals in Norddeutschland. Das Festivalgelände, der Eichenring, ist nur wenige Kilometer von der Ortschaft entfernt. Normalerweise finden hier Sandbahnrennen statt; einmal im Jahr wird allerdings der Ausnahmezustand ausgerufen, wenn Tausende von Jugendlichen und Erwachsenen nach Scheeßel pilgern und auf den umliegenden Camping-Wiesen und auf dem Festivalgelände drei Tage lang Party machen und bis zu 100 Bands auf drei Bühnen feiern.

Ich war bislang zweimal dort – 2012 mit meiner ErstBestenHälfte. Es war ein wundervolles Wochenende und insbesondere die Auftritte von The Cure, New Order, Katzenjammer und Kakkmaddafakka sind mir unvergesslich geblieben. 2017 besuchte ich das Festival mit Junior, der damals 13 Jahre alt und schon sehr musikinteressiert war. Und dies war das vielleicht beste Festival aller Zeiten: Mit Blink 182, Green Day und Linkin Park, die in Scheeßel eins ihrer letzten Konzerte in Deutschland gaben, bevor sich ihr Leadsänger Chester Bennington das Leben nahm, waren drei meiner absoluten Lieblingsbands vor Ort. Wir waren bei allen drei Konzerten im vorderen Front-Stage-Bereich, also ganz nah an der Bühne, und nicht nur für Junior I war dies ein unvergessliches Erlebnis.

Das Hören auf Festivals war mit Hörgeräten immer schwierig. Natürlich ist die Lautstärke hoch genug, um die Musik zu HÖREN, aber meine Hörgeräte waren natürlich stark darauf ausgerichtet, Sprache zu verstehen und Störgeräusche zu unterdrücken – wie zum Beispiel ein Schlagzeug. Hohe Töne habe ich auch mit Hörgeräten nicht gehört. Wahrgenommen habe ich die Beats, den Bass und meistens hat es eine Minute gedauert, bis ich einen Song erkannt habe – manchmal auch gar nicht. Die Klangqualität war einfach enorm schlecht, aber dennoch bin ich gern auf Konzerte gegangen, habe die Atmosphäre genossen und versucht, so viel wie möglich akustisch aufzuschnappen. Ich war es nicht anders gewohnt und habe versucht, einfach das Beste aus meinen Möglichkeiten zu machen.

Der erste Test auf einem Open-Air vor wenigen Tagen verlief sehr positiv – in ausreichend Entfernung zu den Lautsprecherboxen konnte ich die Musik hervorragend hören. Ich bin gespannt, wie das auf dem Hurricane-Festival funktioniert. Hier wird es um Einiges lauter sein als auf dem kleinen Höpen-Air in Schneverdingen und ich habe ein wenig Angst, dass die Musik auch in etwas Entfernung von der Bühne Verzerrungen hervorrufen wird. Ich habe lange überlegt, wie ich den lauten Schall etwas dämpfen kann – zum Beispiel indem ich die Mikrofonabdeckungen mit Filz oder einem Stück Stoff beklebe. Letztendlich ist die Angst davor, den Soundprozessor zu beschädigen, zu groß. Ich nehme stattdessen eine Bandana, ein Sport-Kopftuch wie es Tennisspieler manchmal tragen, und ein Beanie – eine dünne Stoffmütze – mit zum Festivalgelände. Ich hoffe, dass beide Teile ausreichen, um den Schall etwas zu dämpfen – und die Prozessoren außerdem vor Spritzwasser oder Bier, das gelegentlich in die Menge geschleudert wird, schützen.

Freitag nachmittag geht es dann los – ich fahre mit Junior II zum Bahnhof, von dort aus laufen wir etwa drei Kilometer zum Festivalgelände und dann sind wir mitten im Getümmel. Das Wetter ist fantastisch, was eher überraschend ist, denn das Hurricane-Festival macht seinem Namen meistens alle Ehre – Regen, Gewitter und Unwetter gehören normalerweise fest zum Programm. Dieses Jahr wird es über die gesamten drei Tage lang trocken bleiben – und teilweise richtig heiß.

Ich kenne relativ wenig Bands, die dieses Jahr auftreten. Die Toten Hosen sind natürlich gesetzt, ebenso wie The Cure und die Foo Fighters, die am Sonntag Abend als Hauptact auf der Bühne stehen werden. Allerdings habe ich mir in den letzten Tagen einiges der auftretenden Bands angehört und unser Spielplan ist gut gefüllt. Dazwischen wollen wir uns einfach überraschen lassen. Das ist das Schöne an Festivals: Man hört auch mal andere Musik und entdeckt mitunter Künstler, die man vorher gar nicht auf dem Programm hatte.

Die erste Band, die wir uns anhören wollen, ist eine linke Pop-Band namens Betontod. Wir haben gute Plätze, etwa 20 Meter hinter der Bühne, direkt vor der Sicherheitsabsperrung zum Front Stage-Bereich und ich bin sehr gespannt, ob meine elektronischen Ohren gut mitmachen und wie weit oder nah ich von der Bühne stehen muss, um keine akustischen Verzerrungen wahrzunehmen. Bei den ersten drei Songs experimentiere ich wieder viel mit meiner Fernbedienung, bis ich eine Einstellung gefunden habe, die wirklich gut klingt. Zusammen mit dem Beanie auf dem Kopf ist der Sound: Fantastisch! Es klingt total klasse, keine Verzerrungen, ich höre die Instrumente heraus, verstehe die Texte teilweise und kann das erste Konzert ohne jegliche Einschränkungen genießen. So ein Wahnsinn – damit habe ich, mal wieder, nicht gerechnet.

Der Auftritt von Betontod ist super – auch Junior II hat sehr viel Spaß, das Publikum tobt und anschließend holen wir uns erst einmal frisches Wasser, einen kleinen Snack und beobachten aus der Ferne, wie das Bühnenbild für die nächste Band namens Enter Shikari aufgebaut wird. Den Namen habe ich noch nie gehört und auch Junior II kennt sie nicht – irgendwie zieht uns das Bühnenoutfit, das im Stil der 60er Jahre gehalten ist, aber magisch an und wir stellen uns wieder an die Absperrung, an der wir vorher auch standen. Und auch dieses Konzert ist genial. Die Musik ist recht hart – ein wenig Punk, ein wenig Postcore, ein wenig Metal – aber die Show ist wirklich genial, der Frontman gibt einfach alles, der Sound ist fantastisch und wir haben sehr viel Spaß.

Anschließend tritt Papa Roach auf – die kenne ich bereits und möchte sie unbedingt hören. Wir bleiben als direkt an unserem sehr guten Platz, und auch dieses Konzert ist einfach nur genial – tolle Musik, das Publikum ist kurz vorm Ausflippen und ich könnte mir die Jungs noch stundenlang anhören. Allerdings habe hier erste Probleme mit meinen Soundprozessoren, die zu feucht geworden sind. Obwohl mein Kopftuch sehr dünn und luftdurchlässig ist, staut sich darunter die Wärme und Feuchtigkeit des Schweißes, der mir über den Kopf läuft – bei knapp 30 Grad inmitten einer hüpfenden Menschenmenge auch kein Wunder – und die Prozessoren setzen alle 10 Minuten aus. Auch das Beanie bringt keine Besserung. Mir bleibt nichts anders übrig, als die Kopfbedeckung komplett abzunehmen und zu hoffen, dass mir kein Bierbecher gegen den Kopf und die Ohren fliegt. Die Sonne trocknet die Geräte schneller als gedacht und ich kann immerhin den weitaus größten Teil des Konzertes mit beiden Ohren genießen.

Sehr genieße ich auch die Gespräche mit den Menschen um uns herum. Ich werde oft wegen meiner Implantate angesprochen, aber auch einfach so und lerne ein paar richtig nette Leute jeden Alters kennen. Die Stimmung beim Hurricane war schon immer sehr entspannt und man findet sehr schnell Kontakt zu anderen Besuchern. Bei meinen früheren Besuchen habe ich mir das immer etwas verkniffen, weil ich einfach zu schlecht verstanden habe. Auch mit der Security, die im abgesperrten Sicherheitsdurchgang vor uns steht, habe ich einige nette Gespräche. Das macht richtig Spaß!

Auch der nächste Auftritt – eine australische Death Metal Band namens Parkway Drive, die ich auch noch nicht kannte – ist bombastisch und im Nachhinein eins der besten Live-Konzerte, die ich je gesehen habe. Eine grandiose Bühnenshow, tolle Musik, teilweise gemischt mit klassischen Instrumenten, und dazu höre ich diesmal ohne Aussetzer, weil es langsam auch dunkel und etwas kühler wird – was für ein Erlebnis. Die Stunde Spielzeit geht viel zu schnell um und danach dröhnen unsere Ohren ein wenig, aber Junior II und ich sind restlos begeistert.

Später am Abend schauen wir uns dann noch die Toten Hosen an, die wir beide sehr gern mögen und auch dieses Konzert ist klasse. Parkway Drive war heute aber nicht zu toppen. Und dann geht es müde, aber sehr glücklich nach Hause. Ich freue mich wahnsinnig auf die nächsten beiden Tage und überhaupt auf jedes kommende Festival – dass dies mit dem Hören so gut klappt, habe ich wirklich nicht erwartet.

Tag 320/258 – Hörpate

Med-El hatte mich kürzlich angefragt. ob ich Interesse daran hätte, als ‘Hörpate’ aktiv zu werden. Hörpaten sind Cochlea-Implantat-Träger, die mit Med-El-Geräten versorgt sind und die als Ansprechpartner für hörgeschädigte Personen bereitstehen, die ebenfalls ein Hörimplantat in Betracht ziehen. Dafür gibt es eine Website von Med-El, auf der man sich die Profile der zur Verfügung stehenden Hörpaten anschauen und diese direkt kontaktieren kann. Die Hörpaten bekommen für ihr Engagement eine kleines monatliche Aufwandsentschädigung.

Nach reiflichem Überlegen habe ich mich dazu entschieden, dies zu tun. Für mich waren die Erfahrungen anderer CI-Träger enorm wichtig bei meiner Entscheidungsfindung. Ich hätte diesen Schritt ohne Erfahrungsberichte von anderen nicht gewagt. Auch deshalb versuche ich in Selbsthilfegruppen auf Facebook und mit diesem Blog anderen Betroffenen Mut zu machen, den Schritt zum CI zu wagen. Über die Hörpaten-Website kann ich Menschen erreichen, die mein Blog nicht kennen oder nicht auf Facebook unterwegs sind. Und vielleicht kann auch auch auf diesem Kanal Mut machen und Informationen weitergeben, welche die Entscheidungsfindung positiv beeinflussen können.

Für mich war etwas problematisch, dass ich damit ein Stück meiner Neutralität verliere. Ich habe dies intensiv mit den verantwortlichen Personen bei Med-El diskutiert. Dieses Engagement verpflichtet mich nicht dazu, andere CI-Hersteller wie Cochlea, Advanced Bionics oder Oticon schlechter zu stellen als Med-El. Es geht darum, Menschen die Angst vor der Entscheidung zu einem Cochlea-Implantat zu nehmen. Ich werde niemandem raten, auf jeden Fall ein Implantat von Med-El zu wählen. Alle Systeme haben Vor- und Nachteile und ich denke, dass man mit jedem System hervorragend hören kann. Im Sprachverständnis gibt es insgesamt nur wenig unterschiede und ich habe Freunde, die sowohl mit Cochlea als auch mit Advanced Bionics versorgt sind und damit nicht nur Sprache hervorragend verstehen, sondern auch Musik hören können.

Die Frage, welches Implantat man wählt, muss jeder für sich selbst beantworten – zusammen mit den Ärzten, welche die Operation durchführen. Was ich aber ohne schlechtes Gewissen machen werde, ist meine durchweg positiven Erfahrungen mit meinen Implantaten von Med-El weiter zu geben. Sollte ich mich jemals dazu gedrängt fühlen, andere hörgeschädigte Menschen in Richtung Med-El drängen zu müssen, werde ich dieses Engagement mit sofortiger Wirkung beenden.

Tag 305/243 – Feucht

Seit einiger Zeit habe ich enorme Probleme mit Feuchtigkeit in meinen Soundprozessoren, wenn ich schwitze. Die Spulen meiner Soundprozessoren liegt direkt auf der Haut, da ich eine Glatze trage und meinen Kopf regelmäßig rasiere. Leider wächst schon seit meiner späten Jugend nicht mehr genug auf meinem Kopf, um eine andere Frisur mit einem halbwegs vertretbaren Coolnessfaktor tragen zu können. Der Schweiß tropft also direkt auf Spule und gelegentlich auch auf den eigentlich spritzwassergeschützten Soundprozessor, anstatt in den Haaren hängen zu bleiben.

Dies hat zur Folge, dass die Soundprozessoren nach einiger Zeit – manchmal schon nach einer halben Stunde, manchmal etwas später – den Dienst versagen. Entweder übertragen sie gar nicht mehr – ich höre dann den Signalton, dass die Batterie sich leert, bevor sich das Gerät abschaltet (auch bei frischen Batterien), oder ich habe starke akustische Verzerrungen. Das ist unangenehm.

Zwar habe ich für jeden Soundprozessor eine elektrische Trockenbox bekommen, in die ich die Geräte fast jeden Abend hineinlege. Dieser Trockenprozess dauert aber mindestens zwei Stunden. Wenn ein Soundprozessor tagsüber ausfällt – beispielsweise beim Schlagzeug oder Tennis spielen, bin ich circa zwei Stunden gehörlos.

Beim Tennis habe ich versucht, Sport-Kopftücher zu tragen – aber die verstärken das Problem eher nur, weil die Spule darunter liegt und sich zusätzlich zur Feuchtigkeit auch noch Hitze staut, die zu einem noch schnelleren Aussetzer führen.

Es gibt für meine Soundprozessoren samt Spule zwar ein Water-Kit, das die Geräte zuverlässig vor Feuchtigkeit und Wasser schützen soll, aber dies ist recht aufwändig aufzubringen. Außerdem brauche ich dafür andere Batterien, die keine Luft benötigen und die eine deutlich kürzere Lebensdauer haben.

Ich bin derzeit etwas ratlos, wie ich das Problem in den Griff bekomme. Insbesondere an heißen Sommertagen, an denen ich sehr aktiv bin, stoßen die Geräte im Hinblick auf den Feuchtigkeitsschutz viel zu schnell an ihre Grenzen. Falls jemand Tipps oder Ideen hat, wie man das Problem lösen oder mindern kann, wäre ich für Kommentare unter diesem Beitrag sehr dankbar.

Tag 303/241 – Open Air

Alle zwei Jahre findet in Schneverdingen, einem Nachbarort, ein kleines Open-Air Musikfestival statt, bei dem etwa 3.000 Besucher einen Abend lang live-Musik genießen können. Natürlich treten hier keine hochkarätigen Superstars auf, sondern eher kleinere, regionale und unbekanntere Bands, die vielleicht einmal zu Superstars werden. Dieses Jahr steht unter dem Motto ‘Cover-Bands’: Neben einer recht bekannten Udo Lindenberg Coverband treten auch Hellfire, eine der bekanntesten AC/DC-Coverbands auf – und außerdem John Diva & The Rockets of Love auf, die ich noch gar nicht kenne und die sich vor allem dem Hardrock der 80er und 90er Jahre verschrieben haben, und Die toten Ärzte – eine Band, die – wie der Name schon verrät – Songs der Ärzte und der Toten Hosen covert.

In diesem Jahr bin ich zusammen mit meiner ErstBestenHälfte und zwei befreundeten Ehepaaren zum ersten Mal dort. Ich weiß noch nicht, wie sich meine Cochlea-Implantate auf Live-Konzerten schlagen. Die Musik ist dort erfahrungsgemäß sehr laut und die Mikrofone meiner Soundprozessoren arbeiten nur bis zu einer Lautstärke von etwa 100 Dezibel optimal. Alles, was lauter ist, wird etwas verzerrt wiedergegeben und klingt nicht optimal. Ich hatte deshalb bei einem Diskothekenbesuch im Winter ein wenig Probleme und möchte dieses Open-Air vor allem als Testlauf für größere Konzerte nutzen.

Als wir das Festivalgelände erreichen – ein kleines Tal mit sanft aufstrebenden Grashängen, auf denen sich das Publikum verteilt hat, spielt bereits die erste Band. Ich finde Udo Lindenberg durchaus cool, aber höre nicht konzentriert zu, sondern sondiere das Gelände, treffe Freunde, trinke ein Bier und nehme dann rechtzeitig vor dem Spielbeginn von Hellfire einen Platz mit guter Sicht auf die Bühne am Grashang ein. Dann geht es los- Hellfire betritt die Bühne und AC/DC-Beats wummern aus den überdimensionalen Boxen.

Am Anfang sind meine Soundprozessoren etwas überfordert mit der doch recht hohen Lautstärke. Ich spiele auf meiner Fernbedienung mit den verschiedenen Hörprogrammen herum, reguliere die Lautstärke und die Mikrofonempfindlichkeit und nach wenigen Minuten habe ich eine Einstellung gefunden, die kaum noch Verzerrungen erzeugt und die Musik trotz der enormen Lautstärke gut klingen lässt. Dann nähere ich mich der Bühne. Ab einer bestimmten Entfernung ist die Klangqualität nicht mehr so überzeugend, also kehre ich zu meinem Platz am Hang zurück und genieße den hervorragenden Sound einer wirklich außerordentlich guten Coverband. Wenn man sie nicht sehen würde, könnte man wirklich denken, AC/DC spiele dort wirklich (ich habe sie vor 2 Jahren live im Berliner Olympiastadion gesehen – damals noch mit Hörgeräten und einem sehr eingeschränkten Hörgenuss, der dieses geniale Konzerterlebnis aber dennoch nicht schmälern konnte).

Es macht wirklich enormen Spaß. Die Musiker von Hellfire geben alles, das Publikum kocht und ich bin unsagbar dankbar darüber, dass mir ein solcher Musikgenuss auch auf einem Live-Festival wieder möglich ist.

Dann kommen John Diva & The Rockets of Love auf die Bühne. Ich kannte diese Band noch gar nicht, aber fast alle Songs, die sie im Repertoire haben, gehören zu den Favoriten meiner Jugendzeit. Guns&Roses, Whitesnake, Alice Cooper, Kiss, Journey, Mötley Crüe, The White Stripes, Def Leppard und viele mehr. Und die Jungs legen wirklich los wie Raketen – es ist ein unglaublicher Auftritt voller Energie, voller Perfektion – ich bin wirklich sprachlos. Jeder Song hört sich wirklich fast genauso an wie das Original und vor allem der Drummer liefert eine Performance ab, wie ich sie bislang selten live erlebt habe. Und alles klingt einfach nur hervorragend. Keine Verzerrungen, ich erkenne jeden Song sofort, kann einzelne Instrumente heraushören und kann mich überhaupt nicht daran erinnern, ein Live-Konzert jemals so genossen zu haben. Auch das Publikum tobt – am Anfang war die Fläche vor der Bühne recht leer, weil die Band recht unbekannt ist. Aber spätestens beim dritten Song strömt alles nach vorne, rockt mit und die Stimmung ist unglaublich gut. Ich könnte hier ewig sitzen bleiben und den Jungs zuhören und muss mich enorm beherrschen, nicht nach vorne zu drängen – lieber bleibe ich etwas im Hintergrund und genieße den Sound, die Musik, den Abend und meine elektrischen Ohren. Was für ein Auftritt…

Auch die anschließend spielenden Toten Ärzte liefern eine tolle Show ab und covern sowohl die Ärzte als auch die Toten Hosen wirklich hervorragend, aber den Auftritt von John Diva können sie – jedenfalls aus meiner Sicht – nicht toppen. Dennoch genieße ich auch dieses Konzert sehr – und dann, spät in der Nacht, ist die Show zu Ende und wir fahren wieder nach Hause.

Ich bin unendlich glücklich, dass das elektrische Hören auch hier so gut funktioniert hat. Jetzt können die nächsten Live-Konzerte kommen!