Tag 89/66 – Telefondienst

Meine Erfolge am Telefon nehmen mir langsam aber sicher die Angst, Telefonate auch mit Menschen zu führen, die ich nicht kenne. Heute gibt es kein Halten mehr: Ich telefoniere erst mit einem Anwaltsbüro, das ich wegen einer Unterhaltsangelegenheit in Anspruch nehmen muss. Dann mit zwei Versicherungen, um die Kostenübernahme für einen etwaigen Prozess zu klären und um Versicherungsunterlagen zu erhalten, die an eine veraltete Adresse gesendet wurden. Nicht nur die Kommunikation mit dem Sprachcomputer läuft einwandfrei – drücken Sie die 1, wenn Sie männlich sind. Drücken Sie die 0, wenn Sie mit einem Menschen sprechen wollen. Drücken Sie die 7, wenn Sie jetzt komplett verzweifelt sind. Ich verstehe das Ding besser als er mich. Auch alles andere klappt einwandfrei und ich muss nur ein- oder zweimal nachfragen, weil ich etwas nicht ganz korrekt verstanden habe.

Lernen muss ich noch, wie sich schlechte Verbindungen äußern: Leiser Empfang, Rauschen, Aussetzer: All das ist völlig neu für mich und ich weiß manchmal nicht, ob es eine schlechte Verbindung gibt oder ich selbst ein Konnektivitätsproblem mit meinem Hörequipment habe. Junior I steht während eines Gespräches mit der Anwaltskanzlei neben mir und ist recht fassungslos, weil er überhaupt nicht dolmetschend eingreifen muss. Bislang kam die Familie immer angerannt, wenn ich am Telefon war, um zu übersetzen. Das brauche ich jetzt nicht mehr.

Etwas später absolviere ich dann meine erste berufliche Telefonkonferenz. Wir sind nur zu zweit, weil einige der Teilnehmer verhindert sind, aber ich verstehe meinen nicht besonders deutlich sprechenden Kollegen einwandfrei – und das ohne Videoübertragung. Ich bin gespannt, wie ich mich in einer Telefonkonferenz mit mehreren Teilnehmern schlagen werde. Am Anfang wird es sicherlich nicht einfach, aber ich glaube mittlerweile, dass ich auch das irgendwann meistern werde. Insgesamt stehe ich ja noch ganz am Anfang und es ist noch viel Raum für weitere Hörverbesserungen und Nachjustierungen.

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