Tag 42 – Elternabend

Heute ist Elternabend und weil die ErstBesteHälfte verhindert ist, fahre ich hin. Ich bin bislang sehr selten auf Elternabende gefahren, weil ich einfach zu wenig mitbekommen habe. Wie in meiner Schulzeit auf dem Regelgymnasium verstand ich zwar schon einiges, was die Lehrperson erzählte, wenn ich ganz vorne saß. Die Antworten der Eltern verstand ich aber nur, wenn sie in unmittelbarer Nähe meines Platzes saßen und Diskussionen konnte ich meistens gar nicht folgen. Das war heute anders – ich verstand fast alles und konnte das meiste sogar stichpunktartig notieren.

Keine Notizen machen zu können, wenn jemand spricht, ist ein Problem aller hörgeschädigten Menschen, die auf Lippenablesen angewiesen sind. Man braucht Beides, denn reines Lippenablesen vom Mund funktioniert ebensowenig wie reines Zuhören ohne Mundbild. Man kann im Durchschnitt etwa 30-35% der gesprochenen Sprache vom Mund ablesen, wenn der Sprecher oder die Sprecherin deutlich artikulieren und man weiß, worum es geht. Bei mir ist es vielleicht etwas mehr, weil ich langsam schwerhörig geworden bin und das Ablesen damit quasi automatisch gelernt habe. Bei einem spontanen Hörverlust, z.B. aufgrund eines Hörsturzes, ist das deutlich schwieriger.

Der Elternabend selbst war ansonsten erfreulich unspektakulär. Ich hatte mich richtig darauf gefreut, einen satirischen Blogbeitrag über die verschiedenen Elterntypen zu schreiben, die man auf Elternabenden gerne trifft. Das muss aber warten, denn der gestrigen Abend war gut strukturiert, es wurden alle Punkte relativ schnell besprochen und es gab eigentlich nichts, worüber ich den Kopf schütteln musste. Manche Dinge sind gar nicht so schlimm, wie man sie sich vorstellt, wenn man nicht hören kann. Auch das ist ein toller Nebeneffekt meines Cochlea-Implantats.

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