{"id":717,"date":"2018-10-15T10:54:55","date_gmt":"2018-10-15T08:54:55","guid":{"rendered":"http:\/\/implantastisch.de\/?p=717"},"modified":"2018-10-18T22:03:02","modified_gmt":"2018-10-18T20:03:02","slug":"tag-75-12-klavier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/implantastisch.de\/?p=717","title":{"rendered":"Tag 75\/12 &#8211; Klavier"},"content":{"rendered":"<p>Ich komme aus einer sehr musikbegeisterten Familie m\u00fctterlichseits. Mein Gro\u00dfvater, der schon vor meiner Geburt starb, war Berufsmusiker &#8211; Kapellmeister, wie es damals hie\u00df. Sein Sohn, mein Onkel, war ebenfalls Berufsmusiker: Fagottist an der Hamburger Philharmonie. Bei uns zuhause lief sehr viel klassische Musik und ich habe die klassischen St\u00fccke, die auf dem Plattenspieler liefen, noch heute im Ohr. Auch meine Mutter spielte Klavier und brachte mir und auch meiner j\u00fcngeren Schwester, die ebenfalls sehr gerne und viel Musik macht, schon im Grundschulalter die ersten Melodien bei. Den Klavierunterricht hielt ich nicht wirklich lange durch: Das Spielen nach Noten war nie wirklich mein Ding. Stattdessen spielte ich lieber nach Geh\u00f6r und war schon als Kind in der Lage, Melodien und auch Musikst\u00fccke nach dem H\u00f6ren nachzuspielen. Nach der Grundschulzeit kam Posaune hinzu, die ich im evangelischen Blasorchester lernte. Wir spielten dort \u00fcberwiegend modernere Kirchenlieder und nach den offiziellen \u00dcbungsstunden sassen wir oft mit einer kleineren Gruppe zusammen und spielten M\u00e4rsche, bis die Lippen bluteten. Ich bin beileibe kein Fan von Marschmusik, aber das Spielen machte immer gro\u00dfen Spa\u00df. Im Teenageralter trafen wir uns dann auch oft privat und spielten Jazz zusammen. Auch in der Schule war ich Teil eines gro\u00dfartigen Schulorchesters und einer Big Band. Unvergessen geblieben sind eine Auff\u00fchrung von Verdis Triumphmarsch aus AIDA, meine erste Konzertauff\u00fchrung, und ein Weihnachtskonzert, in dem wir das Halleluja von H\u00e4ndel in einer gro\u00dfen Kirche in M\u00fcnster auff\u00fchrten. Ich bekomme heute noch G\u00e4nsehaut, wenn ich an diesen beeindruckenden Moment denke. Auch die Big Band-Auftritte machten enormen Spa\u00df &#8211; wir spielten vor allem St\u00fccke von Glenn Miller, den ich heute noch sehr gerne mag, wenn auch selten h\u00f6re.<\/p>\n<p>Auch nach meinem Schulwechsel in die Oberstufe einer Schule f\u00fcr H\u00f6rgesch\u00e4digte machte ich weiter Musik. Ich war auch dort Teil einer Schulband mit Lehrern und Sch\u00fclern. Wir spielten vor allem bekannte Evergreens aus den 60er und 70er Jahren. Im Internat hatten wir ein Klavier im Aufenthaltsraum und sa\u00df dort oft am Abend und verarbeitete Liebeskummer oder anderen Frust mit dem Spielen von Popballaden. Nach dem Abitur stellte ich das Musik machen ein. Mein Ohren waren zu schlecht, um weiter Posaune zu spielen &#8211; ein Instrument, bei dem ein sehr gutes Geh\u00f6r enorm wichtig ist. Auch das Klavierspielen machte nicht mehr wirklich Spa\u00df, weil ich nicht mehr h\u00f6ren konnte, wenn ich falsch spiele. Dennoch hatten wir immer ein Klavier im Haus, an dem Junior I ebenso wie ich schon sehr fr\u00fch seine ersten musikalischen Schritte machte. Das musikalische Talent war ihm schon fr\u00fch anzumerken und etwa ab dem 8. Lebensjahr nahm er dann Klavierunterricht und hatte schon kurz darauf seine ersten Auftritte im Rahmen des allj\u00e4hrlichen Musikschulkonzertes, bei dem er selbstgeschriebene Songs pr\u00e4sentierte &#8211; komplett ohne Lampenfieber. Ebenso wie ich spielt Junior I ungern nach Noten, daf\u00fcr aber au\u00dfergew\u00f6hnlich gut nach Geh\u00f6r. Auch f\u00fcr ihn ist das Klavier ein Ventil, wenn er Frust hat oder das WLAN-Kontigent f\u00fcr die Spielkonsole aufgebraucht ist. Neben dem Klavier kam vor zwei Jahren auch noch E-Gitarre hinzu und auch hier zeigte sich schnell ein gro\u00dfes Talent, das er als Mitglied einer Schulband einsetzen konnte. Nebenbei spielt er auch noch Schlagzeug, allerdings ohne Unterricht. Hier schaut er sich die Dinge ab, die ich oder sein j\u00fcngerer Bruder im Unterricht gelernt haben und setzt es oftmals besser um als ich selbst.<\/p>\n<p>Als Elternteil macht einen so etwas nat\u00fcrlich enorm stolz. Und es ist sch\u00f6n zu sehen, dass das musikalische Talent der Familie auf ihn \u00fcbergegangen ist. So richtig h\u00f6ren konnte ich jedoch nie wirklich, was er spielt. Ich war immer ein kleines bi\u00dfchen traurig dar\u00fcber, dass er relativ wenig klassische St\u00fccke im Repertoire hat und fast ausschlie\u00dflich Pop und Rock spielt und hatte die Bef\u00fcrchtung, dass die technische Fertigkeit darunter leiden wird. Heute allerdings habe ich ihm zum ersten Mal mit zwei Implantaten, von denen auch das linke immer besser funktioniert, richtig beim Spielen zugeh\u00f6rt. Und ich war beeindruckt und ergriffen, weil das, was er dort auf die Tasten zauberte, weit \u00fcber das hinausging, was ich erwartet hatte. Dass ich so etwas jetzt wahrnehmen kann, ist vielleicht eines der sch\u00f6nsten Geschenke, die mir die H\u00f6rimplantate machen k\u00f6nnen. Ich bemerke jeden Tag und besonders in solchen Momenten, wie viel mir in den letzten Jahren beim H\u00f6ren entgangen ist. Auch wenn ich es immer toll fand, wie gerne und motiviert Junior I am Klavier gespielt hat: Es richtig h\u00f6ren zu k\u00f6nnen ist schon eine andere Hausnummer. Ich freue mich sehr auf das, was er in Zukunft noch alles am Klavier und an der E-Gitarre machen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich komme aus einer sehr musikbegeisterten Familie m\u00fctterlichseits. Mein Gro\u00dfvater, der schon vor meiner Geburt starb, war Berufsmusiker &#8211; Kapellmeister, wie es damals hie\u00df. Sein Sohn, mein Onkel, war ebenfalls Berufsmusiker: Fagottist an der Hamburger Philharmonie. 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