{"id":671,"date":"2018-10-05T21:02:13","date_gmt":"2018-10-05T19:02:13","guid":{"rendered":"http:\/\/implantastisch.de\/?p=671"},"modified":"2018-10-08T18:26:52","modified_gmt":"2018-10-08T16:26:52","slug":"tag-65-1-in-die-vollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/implantastisch.de\/?p=671","title":{"rendered":"Tag 65\/2 &#8211; In die Vollen"},"content":{"rendered":"<p>Auch heute habe ich wenig geschlafen &#8211; es ist einfach schwierig, mit einem Druckverband um den Kopf Ruhe zu finden. Auf der implantierten Seite kann ich nicht liegen; wenn ich mich auf die rechte Seite drehe, dr\u00fcckt es links auch. Der Kopf in der Waagerechten dr\u00f6hnt auch ganz sch\u00f6n &#8211; also stelle ich das Krankenhausbettkopfteil hoch und versuche, gerade zu schlafen. Mit Musik im Ohr geht es dann halbwegs.<\/p>\n<p>Um halb sieben weckt wieder das bezaubernder Flutlicht im Krankenzimmer, unter dem der \u00e4rztliche Visitentrupp einl\u00e4uft. Ich habe mit meinem Bettnachbarn die Theorie entwickelt, dass dieses fr\u00fche, \u00fcberfallartige Visitentum einen strategischen Hintergrund hat: Man ist in diesem Moment einfach noch so schlaftrunken, dass man quasi allem zustimmt, nichts hinterfragt und komplett wehrlos ist, weil das Gehirn noch damit besch\u00e4ftig ist, die Synapsen in die korrekte Spur zu bugsieren. Sollte man es zu diesem fr\u00fchen Zeitpunkt wirklich schaffen, kritische Fragen zu stellen, flieht die ganze wei\u00dfe Meute vermutlich sofort durch den Hinterausgang, weil sie damit nicht rechnet. Nat\u00fcrlich tue ich den \u00c4rzten unrecht &#8211; zumindest bei mir ist alles super gelaufen und alle Beteiligten haben einen Top Job gemacht. Das bekommen sie von mir dann auch zu h\u00f6ren, nachdem ich es schaffe, meine Sinne halbwegs zusammenzukramen und \u00fcber meinen raschen H\u00f6rerfolg zu berichten. Ich freue mich sehr \u00fcber das Lob &#8222;Vorzeigepatient&#8220;, fr\u00fchst\u00fccke, gehe duschen und packe meine Sachen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend bekomme ich einen neuen Druckverband, weil die Kopfschwellung doch noch recht hoch ist und die Wunde ein bi\u00dfchen blutet. Das hat beim letzten Mal besser geklappt, ist aber insgesamt kein Grund zur Sorge. Jede Operation ist anders und jeder Heilungsprozess l\u00e4uft anders. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass ich die erste OP direkt nach dem Urlaub hatte und gut erholt war. Dieses Mal war ich wegen einer kleinen Magen-Darm-Infektion in der vorigen Woche nicht ganz so fit. Aber insgesamt ist alles im gr\u00fcnen Bereich.\u00a0 Dann ist auch schon der Entlassungsbrief da und ich w\u00fcnsche meinem Bettnachbarn, der heute auch entlassen wird, alles Gute. Wir hatten viel Spa\u00df und ich hoffe sehr, dass wir uns irgendwann nochmal wieder \u00fcber den Weg laufen.<\/p>\n<p>Das rechte Implantat ist nat\u00fcrlich schon am Morgen drin. Die verschiedenen H\u00f6reindr\u00fccke rechts und links sind schwierig. Ich h\u00f6re mit beiden Implantaten zusammen nat\u00fcrlich besser als mit dem rechten alleine, aber mit dem neuen, linken alleine ist es schwierig &#8211; alles ist viel leiser und undeutlicher. Das ist \u00fcbrigens v\u00f6llig normal &#8211; das rechte Ohr hat schlie\u00dflich zwei Monate H\u00f6rvorsprung. Beim Musik h\u00f6ren merke ich den Unterschied schon nicht mehr so stark, aber wenn ich die Ger\u00e4te nacheinander stumm schalte, ist es rechts klar und links h\u00f6rt es sich an, als h\u00e4tte ich ganz viel Wasser im Ohr.<\/p>\n<p>Dann ist die ErstBesteH\u00e4lfte auch schon da und wir fahren direkt zu einem Autoh\u00e4ndler, weil das ErstBesteAuto leider kaputt ist und ein neues her muss. Auf der Fahrt d\u00f6se ich noch ein wenig. Anschlie\u00dfend schauen wir uns das Auto im Nachbardorf an und diskutieren mit dem Verk\u00e4ufer im Autohaus \u00fcber Konditionen. Ich verstehe alles ausgezeichnet, aber leider kann ich auch mit zwei funktionierenden Implantaten nicht gut verhandeln &#8211; daf\u00fcr gibt es kein Programm. Schade. Nach einer kurzen Probefahrt fahren wir dann nach Hause und rufen einen anderen Autoh\u00e4ndler in Wolfsburg an. Oder genauer gesagt: Ich rufe an &#8211; mit der ErstBestenH\u00e4lfte als Dolmetscher, die hinterher total aus dem H\u00e4uschen ist, weil ich so viel verstanden habe. Ich habe das selber gar nicht gemerkt. Nat\u00fcrlich habe ich nicht alles verstanden &#8211; vor allem dann nicht, als die Dame am Telefon recht lange die Vorz\u00fcge des gew\u00fcnschten Fahrzeugs runterbetete. Aber kurze Dialoge gehen erstaunlich gut &#8211; und das selbst mit dem schlechten Lautsprecher am Smartphone; die Kopfh\u00f6rer habe ich nicht benutzt.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend geht es erstmal ins Bett &#8211; Musik h\u00f6ren und ausruhen. Und dann kann ich es einfach nicht lassen und setze mich ans Schlagzeug: Guns N&#8216; Roses volle Pulle auf beide elektronische Ohren, Umgebungsger\u00e4usche auf Minimum und ab geht die Post, bis ich halb durchgeschwitzt bin. Eigentlich sollte ich mich schonen, aber es macht so derma\u00dfen viel Spa\u00df, endlich wieder mit beiden Ohren Musik machen zu k\u00f6nnen, dass es mir in diesem Moment egal ist. Das Schlagzeug war vor der Implantation ja meine letzte Hoffnung, \u00fcberhaupt noch Musik machen zu k\u00f6nnen &#8211; und es ging nur solo. Jetzt kann ich endlich wieder richtig mit Begleitung Musik machen. Und auch wenn Telefonieren vermutlich wichtiger ist: Wenn ich eine Sache ausw\u00e4hlen m\u00fcsste, w\u00fcrde ich die Musik nehmen. Ohne Telefon komme ich seit 30 Jahren recht gut klar, auch wenn es manchmal schwierig ist. Das Musik machen hat mir viel mehr gefehlt. Und jetzt geht beides wieder. Let&#8217;s rock it!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch heute habe ich wenig geschlafen &#8211; es ist einfach schwierig, mit einem Druckverband um den Kopf Ruhe zu finden. Auf der implantierten Seite kann ich nicht liegen; wenn ich mich auf die rechte Seite drehe, dr\u00fcckt es links auch. 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