{"id":441,"date":"2018-09-03T14:31:36","date_gmt":"2018-09-03T12:31:36","guid":{"rendered":"http:\/\/implantastisch.de\/?p=441"},"modified":"2019-07-09T12:40:33","modified_gmt":"2019-07-09T10:40:33","slug":"tag-33-erstanpassung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/implantastisch.de\/?p=441","title":{"rendered":"Tag 33 &#8211; Erstanpassung"},"content":{"rendered":"<p>Heute geht es im Deutschen H\u00f6rzentrum Hannover zur Erstanpassung meines Soundprozessors. Das H\u00f6rzentrum liegt direkt neben der Medizinischen Hochschule Hannover, in der ich implantiert worden bin und arbeitet eng mit der dortigen HNO-Abteilung zusammen.<\/p>\n<p>Der Begriff <em>Erstanpassung<\/em> ist etwas verwirrend, weil mein Soundprozessor bereits drei Tage nach der Operation angepasst und eingeschaltet wurde. Dieses Aktivieren direkt nach der Implantation ist relativ neu; bis vor kurzem wurde der Soundprozessor erst 2-4 Wochen nach der Operation eingeschaltet. Da die Operationstechnik mittlerweile so weit fortgeschritten ist, dass die OP-Nachwirkungen eher gering sind, wird bei guter Konstitution des Patienten eine sogenannte <em>Fr\u00fchanpassung<\/em> wenige Tage nach der Operation vorgenommen. Der Soundprozessor wird dabei nur grob angepasst und l\u00e4uft quasi auf Werkseinstellungen. Lediglich die Lautst\u00e4rke wird eingestellt, damit das H\u00f6ren nicht unangenehm ist. Die <em>Erstanpassung<\/em> erfolgt dann ein paar Wochen sp\u00e4ter &#8211; hierbei wird das Ger\u00e4t individuell angepasst. Im Deutschen H\u00f6rzentrum dauert diese Anpassung insgesamt eine Woche &#8211; inklusive H\u00f6rtrainings und Beratungsgespr\u00e4chen zu Zubeh\u00f6r. Auch ein Museumsbesuch steht auf dem Programm, wobei der Ton per Induktionsschleife direkt in den Soundprozessor gespeist wird. So sieht mein Wochenplan aus:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/implantastisch.de\/wp-8a8a1-content\/uploads\/2018\/09\/WhatsApp-Image-2018-09-04-at-14.01.17.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-445 size-large\" src=\"http:\/\/implantastisch.de\/wp-8a8a1-content\/uploads\/2018\/09\/WhatsApp-Image-2018-09-04-at-14.01.17-768x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/implantastisch.de\/wp-8a8a1-content\/uploads\/2018\/09\/WhatsApp-Image-2018-09-04-at-14.01.17-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/implantastisch.de\/wp-8a8a1-content\/uploads\/2018\/09\/WhatsApp-Image-2018-09-04-at-14.01.17-225x300.jpeg 225w, https:\/\/implantastisch.de\/wp-8a8a1-content\/uploads\/2018\/09\/WhatsApp-Image-2018-09-04-at-14.01.17.jpeg 1134w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das heutige Programm beginnt erst um 14 Uhr. Ich treffe vorher noch eine gute Freundin mitsamt meiner ErstBestenH\u00e4lfte in Celle zum Fr\u00fchst\u00fcck und freue ich mal wieder, wie viel einfacher Unterhaltungen mit dem Cochlea-Implantat im Vergleich zum H\u00f6rger\u00e4t sind. Dann geht es nach Hannover zum H\u00f6rzentrum.<\/p>\n<p>Meinen Ingenieur, der die Einstellungen des Soundprozessors vornimmt, kenne ich noch vom Beratungsgespr\u00e4ch Ende Juli, bei dem ich das f\u00fcr mich passende Implantat ausgew\u00e4hlt habe. Er ist \u00fcberrascht, wie gut ich mit dem H\u00f6rimplantat schon h\u00f6ren kann und freut sich sehr &#8211; wie eigentlich alle Menschen, mit denen ich in den letzten Wochen zu tun hatte. Ich bekomme eine ausf\u00fchrliche Erl\u00e4uterung des Ablaufs dieser Woche und dann wird der Soundprozessor neu vermessen. Ich muss dabei angeben, welche Lautst\u00e4rke bei jeder der 12 Elektroden angenehm ist. Dazu werden Test-T\u00f6ne auf die Elektroden gespielt und von mir auf einer Lautst\u00e4rkeskala eingestuft. Das Implantat funktioniert so, dass bei h\u00f6herer Lautst\u00e4rke mehr Strom flie\u00dft &#8211; bei einem lauten tiefen Ton wird also die entsprechende Tieftonelektrode mit einem starken Stromimpuls versorgt; bei einem leisen Ton flie\u00dft nur wenig Strom. Das H\u00f6rimplantat funktioniert also quasi wie eine Lobotomie, ist aber deutlich angenehmer. Unangenehm sind aber nur sehr laute T\u00f6ne und der Soundprozessor ist gedeckelt. Das hei\u00dft: Eine bestimmte Lautst\u00e4rke kann nicht \u00fcberschritten werden. Tolle Sache: Ich kann nicht mehr wegen zu lauter Musik schwerh\u00f6rig werden.<\/p>\n<p>Das H\u00f6ren selbst f\u00fchlt sich nicht elektrisch sondern ganz normal an &#8211; so normal, wie ich es mir halt vorstellen kann, was nach 40 Jahren mit H\u00f6rger\u00e4ten nicht einfach ist. Ich h\u00f6re weder roboterhaft noch habe ich das Gef\u00fchl, <em>unter Strom<\/em> zu stehen. Es h\u00f6rt sich einfach ganz normal an.<\/p>\n<p>Dann werden verschiedene Programme auf den Soundprozessor gespielt, die ich per Fernbedienung ausw\u00e4hlen kann:<\/p>\n<ol>\n<li>Das Standard-H\u00f6rprogramm<\/li>\n<li>Eine <em>Audiozoom<\/em>, der Ger\u00e4usche von der Seite und von hinten stark herunterf\u00e4hrt und alle H\u00f6rkraft nach vorne richtet. Zwar ist der Soundprozessor standardseitig so eingestellt, dass die meiste H\u00f6rkraft nach vorne gerichtet ist (etwa 70%), aber dieses Programm verst\u00e4rkt diese H\u00f6rrichtung noch und d\u00e4mpft alles andere herunter. Das ist dann hilfreich, wenn ich mich in lauten Umgebungen unterhalten will. Vor allem in Restaurants oder Caf\u00e9s, in denen viel Gesabbel von hinten und von den Seiten kommt, verstehe ich damit besser.<\/li>\n<li>Ein Programm f\u00fcr <em>Rundum-H\u00f6ren<\/em>, auch <em>omnidirektionales H\u00f6rprogramm<\/em> genannt. Dieses Programm macht genau das Gegenteil wie das zweite: Es nimmt den Schall von allen Seiten gleichm\u00e4\u00dfig auf. Das kann ein Vorteil bei Musik sein oder auch dann, wenn ich mich irgendwo befinde, wo der oder die Sprecher\/in auch mal rechts oder links von mir oder hinter mir steht.<\/li>\n<li>Ein Programm mit der bisherigen H\u00f6reinstellung, die ich bislang genutzt habe &#8211; um vergleichen zu k\u00f6nnen, inwieweit sich Verbesserungen einstellen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das neue Standardprogramm klingt auf Anhieb besser. Zisch- und Klackerger\u00e4usche sind etwa reduziert und alles h\u00f6rt sich etwas ausgewogener an. Das omnidirektionale Programm teste ich sp\u00e4ter im Auto mit Musik &#8211; es klingt etwas volumin\u00f6ser, scheppert daf\u00fcr in den hohen Frequenzen aber wieder etwas mehr.<\/p>\n<p>Ich erfahre heute auch, warum die Teleschlinge, mit der ich das Smartphone oder Laptop kabellos mit dem Soundprozessor verbinden kann, deutlich schlechter klingt als die direkte Kabelverbindung. Die Teleschlinge nutzt die T-Spulen-Technik zur \u00dcbertragung, die zwar ein Standard aber sehr alt ist und deutlich weniger Signale \u00fcbertragen kann als neuere Technologien wie z.B. Bluetooth. Bleibt zu hoffen, dass Med-El schnell eine drahtlose L\u00f6sung anbietet, die besser funktioniert und auf dem aktuellen Stand der Technik ist.<\/p>\n<p>Die Hybridfunktion meines Soundprozessors, der gleichzeitig auch als H\u00f6rger\u00e4t fungieren kann und dabei tiefe T\u00f6ne in das Ohr spielt, w\u00e4hrend die h\u00f6heren Frequezen direkt auf die H\u00f6rnerven gespeist werden, kann ich wegen meines hohen H\u00f6rverlustes wahrscheinlich nicht nutzen. Das ist mir aber egal &#8211; der Sound ist auch ohne dieses Features ausgezeichnet und ich vermisse die Otoplastik im Ohr kein bi\u00dfchen.<\/p>\n<p>Interessant ist, dass man die Lautst\u00e4rke der Umgebungsger\u00e4usche bei einer Direktverbindung vom Smartphone oder Laptop zum Soundprozessor per Audiokabel nicht per Fernbedienung oder Programmierung steuern kann. Mir sind die Umgebungsger\u00e4usche zu laut; das ist beim Telefonieren und auch beim Schlagzeugspielen suboptimal. Ich erfahre aber, dass es zwei unterschiedliche Audiokabel gibt: Das von mir genutzte gelbe Kabel, bei dem das Verh\u00e4ltnis direkter Input \u00fcber Kabel &#8211; Umgebungsger\u00e4usche bei 50\/50 liegt, und ein rotes, das den Input im Verh\u00e4ltnis 90\/10 verteilt. Dieses wird dann auch gleich bestellt; die Krankenkasse \u00fcbernimmt hierf\u00fcr die Kosten.<\/p>\n<p>Nach der technischen Anpassung geht es zur \u00e4rztlichen Untersuchung im H\u00f6rzentrum. Diese wird gemacht, um zu schauen, ob die Operationsnarbe gut verheilt ist, der Gleichgewichtssinn funktioniert und ob es sonstige etwaige Beschwerden gibt. Ich habe Gottseidank \u00fcberhaupt keine Probleme und f\u00fchle mich fit wie ein Turnschuh. Ich spreche auch gleich die gew\u00fcnschte Implantation auf dem linken Ohr an, werde aber etwas gebremst, weil diese im Durchschnitt erst nach 6 Monaten gemacht wird, wenn sich der Patient an das elektronische Ohr gew\u00f6hnt hat. Das ging bei mir allerdings deutlich schneller. Wir verabreden, dass wir das Thema am Ende dieser Erstanpassungswoche noch einmal ansprechen und dann \u00fcberlegen, wie schnell eine zweite Implantation machbar ist.<\/p>\n<p>Am Abend fahre ich in die Hannoveraner City, kaufe ein bi\u00dfchen Klamotten ein &#8211; auch dies ohne Verst\u00e4ndnisprobleme an der Kasse &#8211; und gehe dann bei Vapiano essen. Das ist eine italienische Restaurantkette, die gerade enorm in ist. Die Gerichte werden hier \u00e4hnlich wie bei Subway direkt vor der Nase des Kunden zubereitet und man kann ausw\u00e4hlen, welche Zutaten man haben m\u00f6chte. Ich habe dieses Restaurant bislang gemieden, weil ich die Fragen des Kochs oder der K\u00f6chin, was ich denn ins das Gericht reinhaben m\u00f6chte, schlecht verstanden habe. Auswahlrestaurants sind f\u00fcr h\u00f6rgesch\u00e4digte Menschen ein echtes No-Go. Mit H\u00f6rimplantat klappt das aber prima. Leider sind die Linguine Carbonara Salmone komplett versalzen und die Nudeln matschig. Da suche ich mir dann in Zukunft doch lieber einen kleinen Italiener, der vern\u00fcnftig kochen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute geht es im Deutschen H\u00f6rzentrum Hannover zur Erstanpassung meines Soundprozessors. Das H\u00f6rzentrum liegt direkt neben der Medizinischen Hochschule Hannover, in der ich implantiert worden bin und arbeitet eng mit der dortigen HNO-Abteilung zusammen. Der Begriff Erstanpassung ist etwas verwirrend, weil mein Soundprozessor bereits drei Tage nach der Operation angepasst und eingeschaltet wurde. Dieses Aktivieren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-441","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/441","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=441"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/441\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1023,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/441\/revisions\/1023"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}