{"id":424,"date":"2018-09-02T19:52:57","date_gmt":"2018-09-02T17:52:57","guid":{"rendered":"http:\/\/implantastisch.de\/?p=424"},"modified":"2018-09-21T15:12:33","modified_gmt":"2018-09-21T13:12:33","slug":"tag-32-flohmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/implantastisch.de\/?p=424","title":{"rendered":"Tag 32  &#8211; Flohmarkt"},"content":{"rendered":"<p>Heute geht es fr\u00fch aus den Federn, weil ich mit der ErstBestenH\u00e4lfte zum Flohmarkt nach Stade fahren m\u00f6chte &#8211; der sch\u00f6nste Flohmarkt Norddeutschlands, der sich durch die Stader Altstadt zieht. Wir beide m\u00f6gen Flohm\u00e4rkte sehr gerne. Als Junior I und II noch kleiner waren, haben wir viele Kinderklamotten auf dem Flohmarkt gekauft. Und Spielzeug &#8211; Spielzeugautos, viele Kinderb\u00fccher, Playmobil und Lego. Damals bekam man Legoteile auch noch g\u00fcnstiger als im Gesch\u00e4ft. Heutzutage findet man nur noch Sammlerst\u00fccke, weil sich die Verk\u00e4ufer an den Mondpreisen auf ebay orientieren und muss den Kindern erkl\u00e4ren, dass 200 Euro f\u00fcr ein gebrauchtes, abgelutschtes Lego-Set (das man im Laden aber nicht mehr bekommt und das in 10 Jahren dr\u00f6lfmal so viel wert sein wird!) einfach zu viel sind. Flohmarktbesuche sind immer ein bi\u00dfchen wie Zeitreisen in die Vergangenheit &#8211; ich sehe zum Beispiel oft Matchbox-Autos, die ich als Kind hatte. Oder Schallplatten, Gesellschaftsspiele und alte B\u00fccher, an die ich mich noch erinnern kann. Wir kaufen eigentlich nie viel, aber haben immer Spa\u00df.<\/p>\n<p>Vorher trete ich allerdings erst einmal ohne Schuhwerk auf eine am Boden sitzende Hornisse, die sich mit einem beherzten Stich in meine Fu\u00dfsohle bedankt. Das tut wirklich weh. Gottseidank verkrafte ich Insektenstiche relativ gut und nach 15 Minuten Eiskompresse fahren wir dann los. Schade, dass ich das Ding nicht geh\u00f6rt habe. Vielleicht rufen Hornissen in so einer Situation ja &#8222;Oh shit&#8220; auf Hornissisch &#8211; kurz bevor mein Fu\u00df sie trifft und ich meinerseits &#8222;Oh shit&#8220; rufe. Oder machen irgendeinen erschrockenen Laut in einer f\u00fcr Menschen unh\u00f6rbaren Frequenz &#8211; \u00e4hnlich wie Flederm\u00e4use. Rein technisch m\u00fcsste es doch eigentlich m\u00f6glich sein, solche Ger\u00e4usche wahrzunehmen und in einen f\u00fcr mich h\u00f6rbaren Ton umzuwandeln. F\u00fcr die Hornisse w\u00e4re das ebenso praktisch wie f\u00fcr mich &#8211; denn sie hat ebensowenig Lust darauf, zertreten zu werden wie ich darauf, mit geschwollenem Fu\u00df \u00fcber den Flohmarkt zu humpeln.<\/p>\n<p>Diese Idee, wenn auch noch etwas schr\u00e4ger, hatte vor Jahren der englische Schriftsteller Roald Dahl, der durch seine makabren Kurzgeschichten bekannt geworden ist und den ich sehr gerne lese. In seiner Kurzgeschichte &#8222;Der Lautforscher&#8220; geht es um einen Erfinder, der eine Maschine baut, mit der er genau solche f\u00fcr Menschen unh\u00f6rbaren Frequenzen in h\u00f6rbare T\u00f6ne umwandeln kann und damit Pflanzen schreien h\u00f6rt &#8211; Rosen, die geschnitten werden, ein Baum in den eine Axt gehauen wird, ein Kornfeld, das von einem M\u00e4hdrescher gem\u00e4ht wird&#8230; ich m\u00f6chte an dieser Stelle nicht vorweg nehmen, was am Ende passiert. Am besten selber Lesen; die Geschichte findet sich in Roald Dahls Buch &#8222;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3499109891\/ref=cm_sw_em_r_mt_dp_U_rEBJBbDN65SP8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8230; und noch ein K\u00fcsschen<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p>Ich bin letzte Woche dem von Enno Park gegr\u00fcndeten Verein <a href=\"https:\/\/cyborgs.cc\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cyborgs e.V.<\/a> beigetreten, der sich unter anderem mit Fragen dieser Art besch\u00e4ftigt. Wem geh\u00f6rt ein Implantat? Wer darf es ver\u00e4ndern? Wie weit darf die Technik gehen? Warum soll man keine Flederm\u00e4use oder Hornissen h\u00f6ren k\u00f6nnen? Das sind spannende, wenngleich teilweise auch schr\u00e4ge Debatten mit philosophischem Hintergrund. Implantationstechnik schreitet immer weiter voran und unsere Gesellschaft wird zwangsl\u00e4ufig mit solchen Fragen konfrontiert werden. Ich freue mich sehr auf spannende Diskussionen zu diesem Thema.<\/p>\n<p>Der Flohmarkt war trotz des guten Wetters zwar nicht so gut besucht wie erwartet, aber es hat trotzdem Spa\u00df gemacht. Zum wiederholten Mal bin ich dort auf mein Cochlea-Implantat angesprochen worden und gab gerne und bereitwillig Auskunft. Es mag nicht jedermanns Sache sein, wegen eines H\u00f6rimplantats von wildfremden Menschen angesprochen zu werden. Ich hatte bislang allerdings immer sehr nette Gespr\u00e4chspartner, die keinesfalls aufdringlich waren und einfach wissen wollten, ob dies auch etwas f\u00fcr eine h\u00f6rgesch\u00e4digte Person aus ihrem Bekanntenkreis sein k\u00f6nnte oder wie gut ich damit h\u00f6re, weil sie auch jemanden kennen, der ein CI hat. Ein Cochlea-Implantat f\u00e4llt auf &#8211; zumindest wenn man Glatze hat und die \u00e4u\u00dferen Teile wei\u00df sind. Ich m\u00f6chte auch, dass es auff\u00e4llt, weil sich meine Umwelt dann besser und schneller auf mein schlechtes H\u00f6ren einstellen kann.<\/p>\n<p>Was mich pers\u00f6nlich letztendlich dazu gebracht hat, den Schritt vom H\u00f6rger\u00e4t zum Implantat zu machen, war eine Flohmarktbegegnung im Fr\u00fchjahr dieses Jahres. Ich sah dort einen Familienvater &#8211; ebenfalls mit wei\u00dfem Soundprozessor und Spule am Kopf &#8211; und sprach ihn auf sein Implantat an. Das Gespr\u00e4ch war sehr nett und aufschlussreich und vermutlich war es das, was mir den letzten Schub gegeben hat, diesen Schritt zu wagen. Lieber CI-tragender Familienvater aus Zeven: Wenn Du das hier liest: Danke vielmals f\u00fcr das motivierende Gespr\u00e4ch! Ich hoffe, wir sehen uns irgendwann mal wieder. Dann verstehe ich auch Deinen Namen und gebe einen aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute geht es fr\u00fch aus den Federn, weil ich mit der ErstBestenH\u00e4lfte zum Flohmarkt nach Stade fahren m\u00f6chte &#8211; der sch\u00f6nste Flohmarkt Norddeutschlands, der sich durch die Stader Altstadt zieht. Wir beide m\u00f6gen Flohm\u00e4rkte sehr gerne. Als Junior I und II noch kleiner waren, haben wir viele Kinderklamotten auf dem Flohmarkt gekauft. 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