{"id":313,"date":"2018-08-20T22:38:00","date_gmt":"2018-08-20T20:38:00","guid":{"rendered":"http:\/\/implantastisch.de\/?p=313"},"modified":"2018-08-21T22:38:52","modified_gmt":"2018-08-21T20:38:52","slug":"tag-18-mails-and-drums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/implantastisch.de\/?p=313","title":{"rendered":"Tag 18 &#8211; Mails and Drums"},"content":{"rendered":"<p>Heute habe ich das erste Mal seit der OP wieder gearbeitet &#8211; erst einmal im Home-Office, was bei meinem Arbeitgeber problemlos m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Nach einer langj\u00e4hrigen Freiberuflichkeit als Digitalkonzepter und\u00a0Texter arbeite ich seit knapp drei Jahren als <a href=\"https:\/\/page-online.de\/branche-karriere\/user-experience-design\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">User Experience Designer<\/a>\u00a0bei SAP und besch\u00e4ftige mich dort &#8211; vereinfacht gesagt &#8211; mit der Konzeption von Benutzeroberfl\u00e4chen und der Optimierung der Benutzerf\u00fchrung, damit Software und Apps leicht verst\u00e4ndlich sind und gut bedient werden k\u00f6nnen. In den Teams, in denen ich aktiv bin, arbeiten vor allem Entwickler, deren Aufgabe es ist, die Software zu programmieren und Projektmanager, die sich um die Steuerung der Projekte k\u00fcmmern. Dementsprechend wird viel besprochen, diskutiert und abgestimmt und Zeit in Meetings verbracht, die wir meistens \u00fcber Videokonferenz abhalten.<\/p>\n<p>Das ist mit einer H\u00f6rsch\u00e4digung nicht einfach. Ich arbeite schon immer ohne Telefon, weil ich ohne Mundbild bislang so gut wie nichts verstanden habe. Bei Videokonferenzen kann ich bislang nur folgen, wenn Video und Audio verz\u00f6gerungsfrei und in guter Qualit\u00e4t \u00fcbertragen werden und man die Sprecher sieht. Wenn Ton und Bild nicht hundertprozentig synchron sind, klappt das Lippenablesen nicht mehr. In Meetings mit gr\u00f6\u00dferen Gruppen brauche ich dolmetschende Unterst\u00fctzung, die normalerweise von Kollegen geleistet wird.<\/p>\n<p>Kommunikation auf Englisch ist f\u00fcr mich ebenfalls schwierig. Zwar schreibe und lese ich flie\u00dfend Englisch, aber es ist schwierig, eine Fremdsprache zu sprechen, wenn man nicht selber genau h\u00f6rt, wie die verschiedenen Worte korrekt ausgesprochen werden. Mein gesprochenes Englisch hat deshalb einen etwas st\u00e4rkeren deutschen Akzent als \u00fcblich. Trotzdem werde ich eigentlich gut verstanden &#8211; au\u00dfer in den Niederlanden, warum auch immer. Das Verstehen von gesprochenem Englisch ist ebenfalls schwierig. Denn wenn man nicht wei\u00df, wie ein Wort genau ausgesprochen wird oder eine falsche Vorstellung davon hat, versteht man es im Gespr\u00e4ch nicht mehr gut.<\/p>\n<p>Ich kompensiere diese Nachteile durch den Einsatz von E-Mails, auf die ich sehr schnell antworte und Chatprogrammen wie z.B. Slack. Wenn ich im B\u00fcro bin gehe ich ins n\u00e4chste Zimmer, anstatt den Telefonh\u00f6rer in die Hand zu nehmen. Ich frage h\u00e4ufiger zur\u00fcck, ob dies oder jenes korrekt verstanden wurde und gebe gerne kurze Zusammenfassungen des Verstandenen,\u00a0 damit mein Gegen\u00fcber wei\u00df, dass ich auf dem richtigen Gleis bin. Bei Meetings lege ich darauf Wert, dass Protokolle angefertigt werden. \u00dcberfl\u00fcssige Meetings versuche ich nach M\u00f6glichkeit zu vermeiden. Und habe damit mehr Zeit zum Arbeiten.<\/p>\n<p>Bislang hat das bei allen Stationen in meiner beruflichen Karriere sehr gut geklappt. Ich habe f\u00fcr Gro\u00dfunternehmen und mittelst\u00e4ndige Firmen gearbeitet; f\u00fcr gro\u00dfe Digitalagenturen und Start-Ups. Fast \u00fcberall hatte ich das Gl\u00fcck, sehr hilfsbereite Kollegen zu haben, die viel R\u00fccksicht auf mich genommen haben und wussten, dass sie sich trotz der schwierigen Kommunikation darauf verlassen k\u00f6nnen, dass ich gute Arbeit abliefere. Das funktioniert nur, wenn man offen mit seiner H\u00f6rbehinderung umgeht, aktiv auf die Mitmenschen zugeht, die Angst vor R\u00fcckfragen nimmt und vor allem auch in kritischen Situationen seinen Humor bewahrt. Manchmal ist es einfach komisch, wenn ich etwas v\u00f6llig falsch verstehe und es dann ist es auch okay, \u00fcber die Situation zu lachen.<\/p>\n<p>Heute habe ich vor allem E-Mails abgearbeitet und quasi testweise an einem f\u00fcr mich nicht wirklich wichtigen Meeting teilgenommen, bei dem ich aber noch nicht genug verstehen konnte. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg und ob ich \u00fcberhaupt irgendwann reinen Telefonkonferenzen folgen kann, wei\u00df ich nicht. Das ist allerdings auch kein Ziel, das ich mir gesetzt habe. Wenn ich in der Lage sein werde, Videokonferenzen gut folgen zu k\u00f6nnen und vielleicht auch einfachere Telefonate mit Kollegen f\u00fchren kann, bin ich mehr als zufrieden. Alles weitere ist ein Bonus.<\/p>\n<p>Am Abend hatte ich dann die erste Schlagzeugstunde mit Implantat. Seit zwei Jahren spiele ich aktiv Schlagzeug und habe alle zwei Wochen Unterricht &#8211; und habe sehr viel Spa\u00df daran (siehe auch\u00a0<a href=\"http:\/\/implantastisch.de\/?p=165\">Tag 8 &#8211; Drums &amp; Honors<\/a>). Die heutige Session war ein voller Erfolg &#8211; obwohl ich die letzten 5 Wochen Urlaubsbedingt und auch wegen der Implantat-Operation kaum gespielt habe. Ich wei\u00df mittlerweile, mit welcher Einstellung der Soundprozessor beim Drummen am besten f\u00e4hrt: Lautst\u00e4rke etwa 1\/3 reduziert und Ger\u00e4uschempfindlichkeit soweit herunterged\u00e4mpft wie m\u00f6glich. Mit dieser Einstellung kann ich meinem Schlagzeuglehrer deutlich besser beim gemeinsamen Spielen folgen. Ich h\u00f6re mittlerweile auch, wenn Schl\u00e4ge nicht v\u00f6llig synchron sind &#8211; wie zum Beispiel Bassdrum und Hi-Hat. Ich h\u00f6re, welches Becken gespielt wird &#8211; das war mit H\u00f6rger\u00e4ten nur ein Scheppern, egal was ich angeschlagen habe. Ich h\u00f6re, ob das Hi-Hat offen oder geschlossen ist. Und als wir mit einem neuen Song beginnen &#8211; <em>Sunday Bloody Sunday<\/em> von <em>U2<\/em> &#8211; stelle ich beim H\u00f6ren des Songs \u00fcber die Soundanlage fest, dass ich heraush\u00f6re, welches Becken gespielt wird. Es ist damit viel einfacher, Songs nachzuspielen und das Drummen macht insgesamt deutlich mehr Spa\u00df.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/EM4vblG6BVQ\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Was ich bei der Erstanpassung in zwei Wochen unbedingt erfragen muss ist, ob ich meine Ohren mit dem Implantat \u00fcberfordern kann. K\u00f6nnen zu laute T\u00f6ne die H\u00f6rnerven sch\u00e4digen? Ist zu laute Musik mit Implantat sch\u00e4dlich? Wie merke ich, dass es zu laut wird? Kann dauerhaftes Schlagzeugspielen den H\u00f6rnerv \u00fcberfordern? Mein Mittelohr ist ja ausgeschaltet und ich habe kein normales H\u00f6rempfinden mehr &#8211; auch wenn sich mit Implantat alles viel normaler anh\u00f6rt, als es mit dem H\u00f6rger\u00e4t der Fall war.<\/p>\n<p>Es gibt noch viel zu lernen, zu entdecken, und zu h\u00f6ren. Ich freue mich drauf!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute habe ich das erste Mal seit der OP wieder gearbeitet &#8211; erst einmal im Home-Office, was bei meinem Arbeitgeber problemlos m\u00f6glich ist. Nach einer langj\u00e4hrigen Freiberuflichkeit als Digitalkonzepter und\u00a0Texter arbeite ich seit knapp drei Jahren als User Experience Designer\u00a0bei SAP und besch\u00e4ftige mich dort &#8211; vereinfacht gesagt &#8211; mit der Konzeption von Benutzeroberfl\u00e4chen und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-313","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/313","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=313"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/313\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":314,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/313\/revisions\/314"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=313"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=313"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/implantastisch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=313"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}