{"id":270,"date":"2018-08-18T12:00:22","date_gmt":"2018-08-18T10:00:22","guid":{"rendered":"http:\/\/implantastisch.de\/?p=270"},"modified":"2018-08-20T18:52:51","modified_gmt":"2018-08-20T16:52:51","slug":"tag-16-voellig-losgeloest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/implantastisch.de\/?p=270","title":{"rendered":"Tag 16 &#8211; V\u00f6llig losgel\u00f6st"},"content":{"rendered":"<p>Heute war ich zur 50. Geburtstagsparty eines Schulfreundes im Ruhrgebiet eingeladen. Vorher standen noch Fu\u00dfballspiele von Junior II und Junior I auf dem Programm. Wie auch schon am letzten Wochenende konnte ich hier einige nette Ballgespr\u00e4che mit den Fu\u00dfballeltern f\u00fchren, nachdem ich\u00a0mir eine M\u00fctze aufsetzte, weil recht starker Wind war und die Windger\u00e4usche in den Mikrophonen des Soundprozessors doch recht laut waren. Ich mag Wind sehr gerne. Beim H\u00f6ren mit H\u00f6rger\u00e4t oder mit Implantat-Soundprozessor kann er allerdings sehr st\u00f6ren. Leider gibt es keine Wuschelmikrophone f\u00fcr H\u00f6rger\u00e4te. Haare k\u00f6nnen diese wom\u00f6glich ersetzen &#8211; und sehen bei den meisten Menschen auch etwas besser aus. Als erblich bedingter Vollglatzentr\u00e4ger ist man hier deutlich im Nachteil.<\/p>\n<p>Am Nachmittag fuhr ich dann los und geno\u00df drei Stunden lang den hervorragenden Sound meiner Canton-Soundanlage in Verbindung mit meinem H\u00f6rimplantat. Ein sch\u00f6ner Nebeneffekt des elektronischen H\u00f6rens: Staus st\u00f6ren mich nicht mehr wirklich. Ich kann dann n\u00e4mlich l\u00e4nger Musik h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Party selbst war ein wundervoller Abend und Erfolg. Ich traf einige Freunde aus meiner Schulzeit wieder, die ich viel zu lange nicht gesehen hatte und ein paar ehemalige Lehrer. Und lernte ein paar sehr sympathische neue Menschen kennen.<\/p>\n<p>Ich bin eigentlich ein geselliger Mensch, aber das eingeschr\u00e4nkte H\u00f6ren f\u00fchrte im Lauf der Jahre dazu, dass ich eher ungern auf Parties gegangen bin, weil ich einfach kaum etwas verstanden habe und mich nicht wirklich gut unterhalten konnte. Parties sind f\u00fcr H\u00f6rger\u00e4te ein Worst Case, weil im Normalfall viele Menschen auf recht engem Raum durcheinander sprechen und das H\u00f6rger\u00e4t im Gegensatz zu einem gesunden menschlichen Ohr die unwichtigen Sprachger\u00e4usche nicht d\u00e4mpfen kann. Au\u00dferdem wechseln die Themen und Gespr\u00e4chspartner h\u00e4ufig und meistens l\u00e4uft Musik, was das Zuh\u00f6ren zur Schwerstarbeit macht. Ich brauche dementsprechend viele H\u00f6rpause und halte selten l\u00e4nger als ein paar Stunden durch.<\/p>\n<p>Heute Abend habe ich mich von 7 Uhr Abends bis 4 Uhr morgens durchgehend unterhalten und viele anregende und lustige Gespr\u00e4che gef\u00fchrt &#8211; selbst beim schlechtem Licht und bei Gespr\u00e4chspartnern mit Akzent. Sp\u00e4t am Abend war die Konzentration dann zwar etwas schw\u00e4cher, aber ingesamt habe ich mich noch nie so lange so gut unterhalten.<\/p>\n<p>Und dazwischen habe ich das erste Mal seit vielleicht 30 Jahren wieder getanzt. Ich war w\u00e4hrend meiner Oberstufen- und Studienzeit sehr h\u00e4ufig in Clubs und Diskotheken im Ruhrgebiet unterwegs. Mittwochs ging es in <em>Siggi&#8217;s Kalei<\/em> in Essen &#8211; einen kleinen Indie-Club, in dem meine Liebe zu Goth-Musik und EBM entstand, die bis heute angehalten hat. Freitags ins <em>Old Daddy<\/em> in Duisburg. Samstags in die <em>Zeche Bochum<\/em>, ins <em>Raskolnikov<\/em> in Oberhausen oder ins <em>Intershop<\/em> im Bochumer Bermuda-Dreieck. Ich kannte so ziemlich jede Indie-Disco im Ruhrgebiet und stand oft Stunden auf der Tanzfl\u00e4che, um den Alltagsstress abzusch\u00fctteln. W\u00e4hrend meiner Internatszeit absolvierte ich sogar einen Tanzkurs, was viel Spa\u00df gemacht hat. Besonders beim Jive hatten ich und meine damalige Tanzpartnerin Daniela viel Spa\u00df und wollten gar nicht mehr aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p>In den letzten 25 Jahren habe ich kaum noch getanzt. Wenn man die Musik nur rudiment\u00e4r h\u00f6rt, die Songs nicht erkennt und sich voll darauf konzentrieren muss, den Takt wahrzunehmen, kann man nicht loslassen und das Tanzen genie\u00dfen. Meistens habe ich mir andere Personen auf der Tanzfl\u00e4che ausgesucht, die sich gut bewegt haben und mir quasi als visuelles Metronom dienten, damit ich nicht komplett verloren bin.<\/p>\n<p>Heute Abend habe ich das erste Mal seit vielleicht 25 Jahren Musik geh\u00f6rt und dazu getanzt &#8211; im Takt, ohne Konzentration, ohne visuelles Metronom und ohne Frustration. V\u00f6llig frei und v\u00f6llig losgel\u00f6st &#8211; ein unbeschreiblich wundervoller und befreiender Moment, der in der Top 5 Liste meiner H\u00f6rimplantat-Erlebnisse einen Stammplatz haben wird. Wer mich demn\u00e4chst auf Parties sucht: Ich stehe nicht mehr am Biertresen, sondern bin mittendrin. Nur wenn Helene Fischer gespielt wird, bleibt wahrscheinlich alles beim Alten.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/HXI4VyXrRVM?rel=0&amp;showinfo=0\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute war ich zur 50. Geburtstagsparty eines Schulfreundes im Ruhrgebiet eingeladen. Vorher standen noch Fu\u00dfballspiele von Junior II und Junior I auf dem Programm. 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